Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 11. (Neue Folge, 1899)

Hauptmann Oscar Criste: Beiträge zur Geschichte des Rastatter Gesandten-Mordes 1799 - Die Ereignisse beim Corps FML. von Kospot vom 26. März bis zum 28. April 1799

42 Criste. reichen Acten des Kriegs-Archivs spielen die französischen Gesandten Bonnier, Bober jot und Jean Debry zweifellos eine ganz und gar nebensächliche Bolle, nicht einmal ihre Namen werden genannt und auch zwischen den Zeilen lässt sich bis zum 18. April nichts, aber auch gar nichts lesen, was auf sie bezogen werden könnte. Selbst die wenigen Kund­schaftsnachrichten aus Bastatt erwähnen diese Gesandten erst von Ende März angefangen und auch dann nur, um zu constatieren, dass sie sich noch in Bastatt befinden. Bei dieser Gelegenheit mag eine, wie es scheint, nicht ganz überflüssige Bemerkung gestattet sein. Liest man auch nur eine der vielen, mehr oder minder umfangreichen Darstellungen des »Ge- sandten-Mordes«, so könnte man fast den Eindruck gewinnen, als wäre seit Beginn des neuen Krieges von 1799 bis zu jenem unglückseligen 28. April das gesammte österreichische Heer, vom Generalissimus angefangen bis auf den letzten Szekler-Husaren, einzig und allein nur von dem einen Ge­danken erfüllt gewesen: Bonnier, Boberjot, Jean Debry! Wir wollen damit nichts behaupten, sondern nur consta­tieren, dass der erwähnte Eindruck bei dem späteren, viel­besprochenen und vielbeschriebenen unglücklichen Ereignisse thatsächlich hervorgerufen wird, aber weiters feststellen, dass es ganz und gar falsch ist, wenn man glaubt, die fran­zösischen Gesandten hätten irgendwie das Sinnen und Trachten des österreichischen Heeres beeinflusst. Wahrscheinlich nicht einmal das des Erzherzogs, der, wie aus dem bereits Erzählten klar genug hervorgeht, nur darauf bedacht war, notorische Spione aus dem Umkreise seines Heeres, mit den legalsten und rück­sichtsvollsten Mitteln der Welt, fortzuschaffen. An die Bürger Bonnier, Boberjot und Debry aber hat er nachweisbar in derselben Weise erst dann gedacht, als ihr weiteres Verbleiben in Bastatt, nach Auflösung des Congresses, aus militärischen Gründen unstatthaft wurde. Erst Mitte April bildeten also die französischen Ge­sandten in Bastatt den Gegenstand der Aufmerksamkeit von Seite einiger österreichischer Officiere und das, allerdings etwas zweifelhafte, Verdienst, diese Aufmerksamkeit angeregt zu haben, gebührt dem Generalstabs-Chef des Erzherzogs Carl, dem GM. Sebastian Heinrich von Schmidt. Gegen

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