Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 11. (Neue Folge, 1899)

Hauptmann Oscar Criste: Beiträge zur Geschichte des Rastatter Gesandten-Mordes 1799 - Die Ereignisse beim Corps FML. von Kospot vom 26. März bis zum 28. April 1799

36 Criste. tagen solle, verschiedener Ansicht. Dohm und Jacobi waren, nach G-atzert’s Mittheilung, für »gleichbaldige Auseinander- gehung« desselben, »der von Görtz hingegen sieht das Aus­einandergehen des Congresses als das grösste Unglück für Deutschland an, räth daher das Bleiben so lang als möglich an, wünscht auch, dass selbst die Franzosen nur erst dann abgehen möchten, wenn ihnen mit Gewalt gedroht werde 1).« Trotzdem hätten die Franzosen wahrscheinlich nicht gezögert, Rastatt zu verlassen; schon am 5. April hatten sie ihrem Minister des Auswärtigen, Talleyrand, das Missliche ihrer Lage auseinandergesetzt, aber der Minister befahl, sie sollten bleiben. Frankreich erkenne dem Kaiser nicht das Recht zu, den Congress und die Deputation einseitig aufzu­heben. Käme es zu Beleidigungen, wie in München und Regensburg, so falle die Schande auf den Beleidiger zurück. »Ich wiederhole,« schloss er, »halten Sie bis zum Aeussersten in Rastatt aus und verlassen Sie es nur unter einem Pro­test 2).« Da aber die französischen Gesandten befürchteten, man werde sie verhaften und in eine österreichische Festung ab- führen lassen, wandten sie sich an den badischen Minister Edelsheim mit der Erklärung, sie hofften, abgesehen von der in Rastatt bestehenden Neutralität, auch noch den Schutz der badischen Regierung zu gemessen. Edelsheim, der es weder mit den Franzosen verderben, noch einen Conflict mit den österreichischen Truppen wagen wollte, veranlasste die Verhandlung dieser Angelegenheit in der Deputation. Hier jedoch wurde an die Beispiele von Wetzlar und Regensburg erinnert, wo in früheren Feldzügen die Armee-Commanden sich nicht an Neutralitätsversprechungen gebunden hielten, wenn die militärischen Dispositionen etwas Anderes erforderten. Man einigte sich dahin, dass die französischen Gesandten, wenn sie die Beobachtung der Neutralität von kaiserlicher Seite verlangten, mit einer Erklärung vorangehen sollten, dass auch die französischen Truppen die Neutralität beob- *) *) Heidenheimer, a. a. 0., 137. 8) Hüffer, a. a. 0., Ill, 309.

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