Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 11. (Neue Folge, 1899)

Hauptmann Oscar Criste: Beiträge zur Geschichte des Rastatter Gesandten-Mordes 1799 - Ansichten verschiedener Historiker über den Gesandten-Mord

Beiträge zur Geschichte des Rastatter Gesandten-Mordes. 421 Ueberwunden von der Richtigkeit dieser sich förmlich aufdrängenden Argumente, überzeugt schliesslich doch, dass der Mord durch keinerlei von österreichischer Seite ergangene Befehle veranlasst worden sein konnte, überzeugt endlich, dass selbst die Auffassung Schmidt’s und des Erzherzogs selbst aus tausend Gründen nicht richtig sein konnte: kam man endlich auch zu der Vermuthung, dass der Brief des Generals Schmidt da, wo »er in den unteren Stufen bekannt wurde«, durchseine leidenschaftlichen Ausdrücke den Gedanken an Thätlichkeiten geweckt und den einen oder anderen Ofiicier gegen verbrecherische Absichten, wenn sie von anderer Seite an ihn herantraten, nachsichtiger oder nachgiebiger gestimmt haben möge1). Man sieht, dass die positiven Quellen für den Nachweis der Schuld der Szekler-Husaren längst als absolut unzureichend von jedem ernsten Forscher erkannt wurden; die Behandlung der Frage bewegte sich nun völlig auf dem schwanken Boden der ausgedehntesten und gewagtesten Hypothesen. Das aber sind keine Beweise. Wir glauben, gestützt auf militärische Gründe, den Beweis bereits erbracht zu haben, dass der Brief Schmidt’s überhaupt nicht in den unteren Stufen bekannt geworden sein und des'shalb die von Hüffer angenommene Wirkung auch nicht gehabt haben kann. Es wäre dies auch nur eine geringe Entschul­digung für jene Officiere, die sich, wie nicht nur Hüffer annimmt, »gegen verbrecherische Absichten, wenn sie von anderer Seite« an sie herantraten, nachsichtiger oder nach­giebiger hätten stimmen lassen. Um deutlicher und ohne Umschweife zu sprechen: Hüffer neigt sich hier auf die Seite Jener, welche behaupten, irgend ein Officier von Szekler- Husaren sei durch Bestechung verleitet worden, die französi­schen Gesandten durch seine Leute ermorden zu lassen. Kein Geringerer als Graf Lehrbach hat, allerdings in dem bereits er­wähnten, höchst dubiosen Gespräch, diesem Gedanken Ausdruck gegeben2). Abgesehen davon, dass dieser Gedanke Lehrbach’s, in der Bestürzung über den räthselhaften Mord ausgesprochen, nur eine ganz und gar unmotivierte Vermuthung enthalten kann, *) *) Hüffer, Gesandten-Mord, 84. 2) Historische Zeitschrift. 39. Band, 58.

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