Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 11. (Neue Folge, 1899)

Hauptmann Oscar Criste: Beiträge zur Geschichte des Rastatter Gesandten-Mordes 1799 - Ansichten verschiedener Historiker über den Gesandten-Mord

Beiträge zur Geschichte des Rastatter Gesandton-Mordes. 417 die österreichische Regierung, Minister Thugut und G-rafen Lehrbach, das englische Cabinet, die Königin Caroline von Neapel. Das sind aber alle höchstens »Urheber«, welche bereits ausschlaggebende, wissenschaftliche Verteidigung gefunden haben, allenfalls das Directorium ausgenommen, bei dem keine durchschlagenden Gründe gegen den Verdacht bei­gebracht wurden, ausser der wirklich grossen Unwahrschein­lichkeit. Dann folgen als weitere Urheber, vor Allem aber als »Thäter« : Die Szekler-Husaren, Die französischen Emigranten, endlich Debry und die Dienerschaft der Ermordeten, welche auch in Verbindung mit einigen emigrierten Bércseny- Husaren, denen ja der Weg von ihren Stationen Bruchsal, Ettlingen oder Pforzheim über Muggensturm nach Rastatt oder Rheinau durch Niemand verlegt, ganz offen lag, gedacht werden können, mit oder ohne Mitwissenschaft D ebry’s oder anderer Leute. Einige stellen den Mord als Soldaten excess oder als einen Act militärischer Lynchjustiz dar, oder lassen ihn in Folge eines Missverständnisses oder in Folge Uebereifers der Szekler-Husaren geschehen. Es ergiebt sich also, wie Helfert treffend be­merkt1), »dass keine auch nur erdenkliche Muthmassung, wer den Rastatter Gesandten-Mord veranlasst haben könnte, zu ersinnen ist, die nicht in früherer oder späterer Zeit im Publicum oder in der Literatur ihren Verteidiger gefunden hätte«1); es ergiebt sich aber auch, »dass vielleicht an kein einziges unaufgeklärtes Ereigniss der Geschichte mit grösserer Vorsicht herangetreten werden muss, als an dieses und dass selten in der Aufstellung und Verteidigung von Hypothesen so sehr fehlgegriffen wurde, wrie in diesem Fall«. Aber nicht dies allein, nicht die Buntheit der Hypo­thesen ist es, die in Verwunderung setzt, sondern vielmehr noch der Umstand, dass alle diese vermuteten Urheber des b Per Rastatter Gesandten-Mord. »Wiener Abendpost,« Jahrg. 1873. Nr. 212 v. 15. September. Mittheilungen des k. und k. Kriegs-Archivs. Neue Folge. XI. 27

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