Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 11. (Neue Folge, 1899)

Hauptmann Oscar Criste: Beiträge zur Geschichte des Rastatter Gesandten-Mordes 1799 - Die Ereignisse in Rastatt in der Nacht des 28. April

Beiträge zur Geschichte des Rastatter Gesandten-Mordes. 165 eines Officiers nun erst militärische Befehle eingeholt werden mussten. Endlich gelangte man dazu, die in ihrem Wagen halbtodt ohne Besinnung liegende Madame Bob erj ot in das Haus des königlich preussischen Gesandten, Freiherrn von Jacobi, vor welchem der Wagen hielt, tragen zu dürfen. Die Madame Debry musste auf der Strasse aüssteigen, weil man schlechterdings nicht erlauben wollte, dass die Wagen in’s Schloss führen. Diese mussten vielmehr nach der Wache im Ettlinger-Thore gebracht werden und man erbat sich die herrschaftlichen Pferde, um sie morgen fünf nach Gernsbach zu führen, welches jedoch am folgenden Morgen abbestellt wurde.« Man sieht aus dieser Erzählung, dass sich das Benehmen der Husaren consequent bleibt; sie weichen offenbar nicht einen Finger breit von dem erhaltenen Befehle ab. Sie hatten sich zwar der Autorität des Majors Harrant gebeugt und die Wagen nach Rastatt zurückgeführt; aber auch dort geben sie sie nicht frei und hierin werden sie auch von ihrem Ritt­meister bestärkt, der sich sogar die herrschaftlichen Pferde erbittet, um die Wagen nach Gernsbach, in das Hauptquartier seines Obersten, führen zu lassen. Geht demnach sowohl aus den vorliegenden, auf die französischen Gesandten bezüglichen Befehlen der österreichi­schen Generale, als auch aus dem Benehmen der Husaren lieh sehr gross ist, springt nun gerade bei dem von Eggers an­gewendeten Satz in die Augen. »Prater meus est« lautet nämlich walachiseh: »Este frate men!« Mit der »Gelehrtheit« der Szekler-Husaren ist es also nichts. Aber auch italienisch sollen die Szekler gesprochen haben — so behauptet Fräulein Debry. Es braucht nicht bestritten zu werden, dass der eine oder der andere Husar auch ein paar italienische Brocken gelernt haben wird, wie ja Einzelne auch ein paar deutsche Worte gekannt haben mögen; wir glauben aber wieder, dass damals Nachts ein Husar, walachischer Nationalität, irgend eine gutmüthige Frage in seiner Muttersprache an das Mädchen gerichtet haben wird. Da nun die walachische Sprache bekanntlich auch die Eigenschaft be­sitzt, dem Italienischen ähnlich zu klingen, so wird das Fräulein, welches ganz gewiss keine Ahnung von der Existenz dieser Sprache gehabt hat, die paar Worte, die wahrscheinlich gar nicht »due figliuole« lauteten, was auch eine sehr überflüssige Bemerkung gewesen wäre, sondern höchstens ähnlich klangen, für italienisch gehalten haben.

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