Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 11. (Neue Folge, 1899)
Hauptmann Oscar Criste: Beiträge zur Geschichte des Rastatter Gesandten-Mordes 1799 - Die Ereignisse in Rastatt in der Nacht des 28. April
Beitrüge zur Geschichte des Rastatter Gesandten-Mordes. 159 und wirklich sagte Burkhard in seiner tödtlichen Verlegenheit, es sei ein »unglückliches Missverständniss« ! Giebt es nun wirklich Jemanden, welcher glauben könnte, man habe den Bittmeister Burkhard angewiesen, die französischen Minister zu ermorden und diese »Sache* mit einem »Missverständniss« zu motivieren? Man kann Jemanden aus Missverständniss arretieren lassen, man kann ihm aus diesem Grunde irgend etwas wegnehmen, aber morden aus »Missverständniss« ? Nein! Man erinnere sich doch nur, wie der Mord geschehen, wie die Mörder gehandelt, wie sie sich sorgsam überzeugt von der Identität ihrer Opfer! Und das soll dann als ein — Missverständniss hingestellt werden? In seiner peinlichen Verlegenheit, überrascht und erschreckt von der Mittheilung der fremden Gesandten, dass seine Husaren die That verübt, stottert der Bittmeister einige ziemlich unschuldige und nichtssagende Entgegnungen und erinnert sich dabei auch einer Motivierung, die ihm, mit Bezug auf ein ganz anders geartetes Unternehmen, nahegelegt worden und er wendet jetzt diese Motivierung auf einen Fall an, den er nie erwartet, an den er nie gedacht! So ist diese Stelle im »Authentischen Bericht« verständlich; so ist auch das Benehmen und die Sprache des Bittmeisters zu begreifen — sonst nicht! Ueber die Art, wie Burkhard von dem Ueberfall der Franzosen informiert -worden, gab er selbst vor Gericht Folgendes an: Ungefähr eine Stunde nach Abfahrt der Gesandtschaft »kamen mehrere Herren Gesandten1) in grosser Bestürzung zu mir und sagten mir, dass die französische Gesandtschaft an der Strasse zwischen Bastatt und Bheinau angefallen worden und die Gesandten aus ihren Wagen entsprungen seien, drangen auch in mich, ihnen eine Patrouille zu gewähren, um diese Gesandten -wieder ausfindig zu machen und sicher nach Bastatt zurückzubringen. Ich machte gleich eine Patrouille aus und schickte selbe hinaus auf die Strasse, wo dieses Unglück geschehen sein solle«. ') Es war er Freiherr von Albini, wahrscheinlich in Begleitung irgend welcher Personen. (Münzer Diarium. Haus-Hof- und Staats- Archiv.)