Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 11. (Neue Folge, 1899)
Hauptmann Oscar Criste: Beiträge zur Geschichte des Rastatter Gesandten-Mordes 1799 - Die Aussagen des französischen Gesandtschafts-Personals und die ersten Gerüchte über den Ueberfall
Beiträge zur Geschichte des Rastatter Gesandten-Mordes. 145 und nun wechselte obiger Officier nicht nur den doppelten Louisd’or, sondern so viel Gold, als er erhalten konnte, gegen Silber und Agio ein1). Yon den gemeinen Husaren wurden angeblich in Gernsbach Kleidungsstücke von Bonnier verkauft, auch kam diese Wirthin dazu, wie bei ihr einquartierte »Officiere einen dunkelblauen Mantel zerschnitten, um sich Uniformen daraus machen zu lassen* 2)«. Der »18. Zusatz« im »Authentischen Bericht« lässt über die Person der Mörder gar keinen Zweifel mehr übrig. In diesem »Zusatz« wird erzählt, dass bei Gelegenheit des Begräbnisses von Bonnier und Boberjot in der Bastatter Wirthsstube »Zum Engel« ein »glaubhafter Mann, in Gegenwart vieler in dem Zimmer versammelten Gäste«, gefragt worden sei, »ober den Husaren sehen wolle, welcher Bob er- jot ermordet habe. Wie Jemand solches bejahte, zeigte man ihm den Husaren, welcher an der Ecke eines Tisches sass und da jener sich ihm näherte und von der unglücklichen Begebenheit zu sprechen anfieng3), seine That keineswegs leugnete, sondern sie vielmehr, bewegt durch den vorbeigegangenen Leichenzug, mit vielen Thränen und unter Händeringen eingestand4). Der Husar, welcher schon ein ältlicher Mann zu sein schien und mehrere Feldzüge mitgemacht hatte, sagte dabei, er bereue es auf das Schmerzhafteste, die That begangen zu haben, ob er gleich durch den Befehl seines Officiers sie zu vollführen genöthigt gewesen sei. Dieser Officier habe nämlich nicht allein ihn wiederholt dazu angehalten und auf ihn, bei seiner bezeigten Abneigung, heftig geschimpft, sondern ihm auch auf das Fürchterlichste gedrohet; ja, in dem Augenblick, da er den Streich vollführen sollen und wie ihm sein Arm gleichsam den Dienst versaget, habe der Officier ') Im österreichischen Heere wurden die Officiersgagen bis in die Fünfziger-Jahre des 19. Jahrhunderts zu Monatsschluss nachträglich ausbezahlt. War dieses unheimliche Geld, bei dem die würdige Frau Hennenhofer offenbar einigen Blutgeruch wittert, nicht vielleicht die bescheidene Gage des Officiers, der das schwere Silbergeld nicht gerne in die Rock- tasche steckte, sondern lieber einige Goldstücke dafür einwechselte ? 2) Zandt, Der Rastatter Gesandten-Mord. Karlsruhe, 1869. 35. 3) Zum bessern Verständniss des Szeklers wohl in gewähltem '»Rastatterisch« ? 4) Ungarisch oder rumänisch ? Mitteilungen des k. und k. Kriegs-Archivs. Neue Folge. XI. 10