Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 11. (Neue Folge, 1899)
Hauptmann Oscar Criste: Beiträge zur Geschichte des Rastatter Gesandten-Mordes 1799 - Die Aussagen des französischen Gesandtschafts-Personals und die ersten Gerüchte über den Ueberfall
Beiträge zur Geschichte des Rastatter Gesandten-Mordes. 129 haften zu lassen und dieser Umstand ist wohl nicht geeignet, die »summarischen Protokolle« der markgräflichen Kutscher glaubwürdiger zu machen. Noch tiefer sinkt aber der Werth dieser Aussagen, wenn die Kutscher, wie bekannt, betonen, dass sie während des Ueberfalles »ihre Besinnungskraft unmöglich beibehalten können1)«. Die Werthlosigkeit derartiger »summarischer« Angaben wurde übrigens zu jener Zeit schon erkannt und verurtheilt. »Es ist sehr gefährlich,« heisst es in einer damals von österreichischer Seite veröffentlichten Schrift, »von ungebildeten Leuten dieser Art nur summarische Depositionen aufzunehmen, indem sie darin sehr oft nicht nur aussagen, was sie gesehen, sondern auch was sie vermuthen und was sie schlechterdings nicht wissen können. Man hätte ihnen articulierte Fragen zur Beantwortung vorlegen, von ihnen vernehmen sollen, woran sie wissen konnten, dass es k. k. Husaren gewesen, wie gross ihre Anzahl war, was sie für Kleider getragen, von welcher Farbe u. s. w., ob sie das Alles versichern und dafür stehen können u. s. w. Alles dieses wäre nöthig gewesen zu erheben.« Es wird gezeigt werden, dass sich diesem Urtheil der erwähnten Schrift auch solche Personen anschlossen, denen man Voreingenommenheit für Oesterreich nicht vorwerfen kann. Dass aber nicht einmal alle badischen Kutscher, dass auch nicht der badische Fackelträger »summarisch« einvernommen wurden, kann nur bestätigt, aber nicht erklärt werden* * * * * * * 8). *) Schon ein gewiss unverfänglicher Zeuge, der dänische Legationsrath von Eggers, hob dies hervor: »Es ist aus den Aussagen (der badischen Kutscher) schon an sich klar genug,« sagte er, »dass diese äusserst geängstigten Menschen nicht imStande waren, auf irgend etwas genau Acht zu gehen.« (Briefe über die Auflösung des Rastatter Congresses. I, t26.) 2) Kurze Bemerkungen über den »Authentischen Bericht«, die Ermordung der französischen Gesandtschaft vorwärts Rastatt betreffend. (Haus-Hof- und Staats-Archiv.) 8) Zandt erklärt diese seltsame Unterlassung höchst bezeichnend. Er sagt, fünf Wagen seien »von markgräflich badischen Stallbedienten geführt« worden. »Das Zeugniss von diesen wurde nicht verlangt, es hiess: da sie nicht französisch und ungarisch verständen, so wüssten sie nicht, ob die Husaren Szekler oder Franzosen gewesen seien.« (!!) Also noch am 29. oder 30. April wusste man nicht, ob die Mörder Szekler oder Franzosen gewesen ? Noch am 29. oder 30. April versuchte man dies festzustellen? Und die Aussagen der Franzosen und die sicheren (?) Angaben Debry’s, worauf die Daten des »Authentischen Berichtes« beruhen?? Mittheilungen des k. und k. Kriegs-Archivs. Neue Folge. XI. 9