Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 11. (Neue Folge, 1899)
Hauptmann Oscar Criste: Beiträge zur Geschichte des Rastatter Gesandten-Mordes 1799 - Die Aussagen des französischen Gesandtschafts-Personals und die ersten Gerüchte über den Ueberfall
126 Criste. Einklang bringen; sie bleiben ganz und gar unverständlich, wenn man die Mörder Bonnier’s und Roberjot’s identificiert mit den Szekler-Husaren. Wenn die Mörder deutsch oder französisch gesprochen haben, so können es nicht Szekler gewesen sein; wenn die Wagen von sechs bis acht Mann überfallen wurden, so können dies nicht Husaren gewesen sein, die ja zahlreicher waren und wenn Debry und seine Damen von Szeklern überfallen worden wären, so hätten sich Debry und seine Damen ganz anders gegen jene verhalten müssen, als dies thatsächlich der Fall war. Will man demnach die einander widersprechenden Aussagen und Handlungen der Augenzeugen in Einklang bringen, will man sie überhaupt verstehen, so muss man nicht nur das darin enthaltene Unwahrscheinliche und Unmögliche von dem Wahrscheinlichen und Möglichen scheiden, sondern auch den Seelenzustand der in Todesangst gewesenen Personen, die jeden Begriff von Raum und Zeit verlieren, Wahres und Falsches, Wirkliches und mit der aufgeregten Phantasie Geschautes, dann aber auch manches Suggerierte durcheinander mischen. Berücksichtigt man dies, so geht aus den Aussagen der Franzosen selbst hervor, dass zwei Zeitabschnitte untei'schieden werden müssen: ein sehr kurzer, in welchem der von einer geringen Anzahl Personen ausgeführte Ueberfall vor sich geht und ein zweiter, bedeutend längerer, während dessen andere Personen, die sich nicht nur in der Zahl und in der Sprache, sondern auch in dem Benehmen wesentlich von den Mordgesellen unterscheiden, auf dem Schauplatz erscheinen. Ist diese Annahme richtig — und ihre Richtigkeit geht nach dem bereits Festgestellten von selbst hervor — so können die Szekler-Husaren nicht mit den zuerst erschienenen Mördern identificiert werden, da sie sich in der Zahl, in der Sprache und im Benehmen selbst durchaus von jenen unterscheiden. Dies erhellt wohl vollständig aus den schon bisher aus den Aussagen der Franzosen constatierten Thatsachen. Wenn nun auch aus den Aussagen der Franzosen selbst eine Fülle von Beweisen .mühelos abgeleitet werden kann, die