Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 11. (Neue Folge, 1899)

Hauptmann Oscar Criste: Beiträge zur Geschichte des Rastatter Gesandten-Mordes 1799 - Die Aussagen des französischen Gesandtschafts-Personals und die ersten Gerüchte über den Ueberfall

118 Criste. Husaren befunden und auch dort den Cicerone gespielt! Giebt es nun wirklich Jemanden, welcher glauben könnte, Rittmeister Burkhard habe seinen Husaren einen »Führer« mitgegeben, der ihnen, wie Debry, Boccardi und Laublin glauben machen wollen, die französischen Gesandten bezeich- nete und damit das Geheimniss eines furchtbaren Verbrechens in die Hände eines obscuren, entlassenen Bedienten gelegt? So naheliegend es nun auch wäre, mit dieser Frage den mysteriösen Georges und seine Ciceronedienste endgiltig abzuthun, müssen wir diesem Detail in den Aussagen Debry's etc. doch noch einige Aufmerksamkeit widmen. Es wurde von Debry sowohl, als später auch von Historikern die Vermu- thung ausgesprochen, die Wagen der französischen Gesandten seien von Burkhard absichtlich beim Thore aufgehalten worden, damit die mit dem Attentat beauftragten Husaren Zeit gewännen, sich in den Hinterhalt zu legen und die Reisenden zu erwarten. Wenn nun jener Georges mit den Husaren beim Thore war und ihnen jeden Gesandten zeigte, »offenbar« aus dem Grunde, um die Opfer nicht zu verfehlen, wenn er dann auch unter den mordenden Husaren gesehen wurde, so müssten zweifellos die beim Thore gestandenen Husaren die Mörder gewesen sein. Aber diese Husaren sind ja doch in aller Geschwindigkeit auf die Rheinauer-Strasse gesandt worden, behaupten Debry und mit ihm einzelne Historiker, folglich konnten sie nicht mit Herrn Georges ruhig beim Thore stehen und sich an dem Anblick der Wagen und ihrer Insassen erfreuen! Oder waren sie auch beim Thor und gleichzeitig auch auf der Rheinauer-Strasse? Oder sind sie den Wagen der abziehenden Gesandten gefolgt? Dann hätte aber der Angriff von rückwärts erfolgen müssen und dies war thatsächlich nicht der Fall. Da doch zugegeben werden muss, dass Georges und die fraglichen Husaren nicht gleichzeitig an zwei verschiedenen Orten gewesen sein können; da es einerseits sehr leicht möglich ist, dass Boccardi und Laublin den fraglichen Georges that­sächlich unter den bei dem hell erleuchteten Thore stehen­den Husaren gesehen haben können, anderseits ausge­schlossen ist, dass man bei der auf dem Schauplatz der That herrschenden Finsterniss die Gesichtszüge eines Menschen

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