Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 11. (Neue Folge, 1899)

Hauptmann Oscar Criste: Beiträge zur Geschichte des Rastatter Gesandten-Mordes 1799 - Die Aussagen des französischen Gesandtschafts-Personals und die ersten Gerüchte über den Ueberfall

104 Criste. mit dem Säbel in der Faust überfallen werden; mehrere von ihnen bemächtigen sich der Fackeln, welche die Bedienten hielten. (!) Die Kutscher steigen von ihren Kutschböcken und fliehen nach allen Seiten. (!!) Ich höre die Säbelhiebe auf die Fuhrwerke und die Personen niederfallen, das schreckliche Ge­heul der Mörder, das Geschrei der Schlachtopfer. Mein Bruder, Zeuge dieser fürchterlichen Scene ruft: ,Wir werden überfallen ! Betten wir uns!1 Wir springen aus dem Wagen. Mein Bruder sagt: ,Fliehe in den Wald!1 Ich eile dahin, indem ich über den Graben springe, aber ich wäre in den Tod gelaufen, statt ihm zu entgehen, denn mein Kammerdiener, der mir folgte, sah von ferne die Husaren über die Felder ventre ä terre gegen uns losstürmen, die Säbel in der Hand.« (!) Berücksichtigt man, dass der Verfasser dieser romantischen Erzählung, Boccardi, im sechsten Wagen sass und zwar, wie selbstverständlich, in einem geschlossenen Beisewagen; dass Boberjot und seine Gemahlin, die in dem fünften Wagen gesessen, dann ausgestiegen, aber ruhig wieder zurückgekehrt waren, so bedarf es keines weiteren Beweises mehr, um zu behaupten, dass die Erzählung Boccardrs unwahr, also werthlos ist. Merkwürdig ist nur, dass auch die beiden Boc- cardi’s von ihrem Kammerdiener auf die angeblich »ventre á terre« heranstürmenden Husaren aufmerksam gemacht wurden, eine cavalleristische Leistung, die, mit Bücksicht auf das Terrain und die tiefe Finsterniss geradezu unerhört wäre. Drängt sich nicht auch hier der Gedanke auf, dass Boccardi überhaupt nur das erzählt, was ihm von seinem Kammerdiener erzählt wurde; dass auch diesem, sowie dem Diener Bosen- stiel’s daran gelegen gewesen, seine Herrschaft möglichst rasch vom Schauplatze zu entfernen? Selbst wenn man aber dem Möglichen und Wahrscheinlichen, was Boccardi erzählt, Glauben schenken will, so bleibt davon nichts Anderes übrig, als dass sein Kammerdiener Husaren über das Feld reiten gesehen hat, während bei den vorderen Wagen bereits gemordet wurde1). Es konnten demnach die über *) *) Boccardi sagt ja ausdrücklich, dass sein Kammerdiener die Husaren »von ferne« heranreiten sali, das heisst jedenfalls, sie waren noch ziemlich weit vom Schauplatz entfernt. Wären sie übrigens nahe gewesen, so hätten sie wohl die Fliehenden noch erreicht!

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