Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 11. (Neue Folge, 1899)
Hauptmann Oscar Criste: Beiträge zur Geschichte des Rastatter Gesandten-Mordes 1799 - Die Aussagen des französischen Gesandtschafts-Personals und die ersten Gerüchte über den Ueberfall
98 Criste. Jean Debry1), erzählt, die vorderen AVagen seien unter »fürchterlichem Geschrei« angegriffen worden. AVäre dies wirklich der Fall gewesen und wären bei jener Gelegenheit thatsächlich »allenthalben Säbelhiebe ausgetheilt worden«, so hätte Madame Roberjot, der man doch als einer Frau nicht grösseren Muth zuschreiben darf, als den verschiedenen Männern, die beim ersten Anhalten der AVagen davonliefen, zweifellos ihren Mann nicht tvieder zu seinem AVagen zurückkehren lassen, sondern ihn veranlasst zu entfliehen. Sie thut das nicht, sondern kehrt ruhig mit ihm zurück. Es scheint demnach mit Bestimmheit hervorzugehen, dass sie irgend welche Gefahr nicht vermuthet hat, dass man ihr also später erst irgend etwas von »schrecklichem Geschrei« und von »Säbelhieben« erzählt habe. Eine Bestätigung dieser Annahme findet sich in der Aussage des Kammerdieners Hob er jot’s, Venon. AVenn man nämlich dem 4. Zusatz im »Authentischen Bericht«, wo diese Aussage sich vorfindet, Glauben schenken will, so habe Roberjot, nachdem er mit seiner Gemahlin aus dem AVagen gestiegen und gegen die rückwärtigen AVagen zu gegangen war, gesagt: »Ce n’est rien, rapprochons-nous de ma voiture, eile sera respectée!« Hieraus geht hervor, dass Venon mit seiner Herrschaft zurückgegangen war, da er sonst die AVorte des Gesandten nicht gehört hätte, dann, dass von einer drohenden Gefahr, also auch von »Geschrei« und »Säbelhieben« nicht die Rede sein kann, da doch sonst der Minister nicht mit der grössten Seelenruhe gesagt hätte : »Es ist nichts, gehen wir wieder zu unserem AVagen« etc. Oder sollte nicht der Minister, sondern der Kammerdiener beruhigt und zur Rückkehr gerathen haben, trotzdem irgend etwas bei den anderen AVagen geschehen war? Die AVidersprüche und Unrichtigkeiten in der Erzählung der Madame Roberjot sind übrigens begreiflich; sie musste ja durch die Ermordung ihres Gatten so sehr erschüttert worden sein, dass ihren Aussagen hierüber fast jede Glaub- *) *) Den weiteren Ausführungen vorgreifend, möchten wir doch schon hier kurz bemerken, dass Madame Roberjot später den Gesandten Debry offen beschuldigte, die Ermordung Bonnier’s und Roberjot’s veranlasst zu haben!