Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 11. (Neue Folge, 1899)

Hauptmann Oscar Criste: Beiträge zur Geschichte des Rastatter Gesandten-Mordes 1799 - Die Aussagen des französischen Gesandtschafts-Personals und die ersten Gerüchte über den Ueberfall

Beiträge zur Geschichte des Rastatter Gesandten-Mordes. 95 an den Franzosen Laublin oder sonst Jemanden aus dem Gefolge des Gesandten! Es bedarf wohl keiner weiteren Er­klärung dieser Seltsamkeit. Wenn Laublin die von ihm angeführten Worte gehört hat — und es ist kein Grund, daran zu zweifeln — so wurden sie in französischer Sprache gerufen und nicht in der deutschen! In dem zweiten Wagen, also zwischen dem Debry’s und dem Bonnier’s, sassen Belin, der Secretär und Des­mont, der Kammerdiener Jean Debry’s. Ihre Aussagen be­züglich des Ueberfalles auf Debry und die Ermordung Bonnier’s, sowie ihre eigenen Erlebnisse müssen, da diese beiden Männer immerhin irgend Etwas gesehen haben konnten, ebenfalls berücksichtigt werden. Desmont sagt: »Als wir aus der Vorstadt eben zwei Flintenschüsse weit gekommen waren, sah ich eine Gruppe der abscheulichen Husaren, welche sogleich über den Wagen des Ministers Jean Debry herfielen, mich angriffen, mir aus den Händen ein Paquet irdener Pfeifen nahmen, mich darauf bei den Haaren packten, von dem Cabriolet herunterrissen, mich aufrichteten und fragten, ob ich Bonnier sei.« Belin erzählt: »Ungefähr 100 Schritte von der Vorstadt sagte mir der Kammerdiener des Bürgers Debry, welcher mit mir in einem Wagen sass, dass er Husaren auf der Heerstrasse sehe. Kaum hatte ich ihm geantwortet, dass sie da sein würden, die Passagiere zu beobachten, als ich commandieren hörte. In dem Augenblicke stürzten viele Husaren, die von ihren Pferden gestiegen waren, auf den Wagen Debry’s und rissen mit Gewalt den Schlag der rechten Seite auf. Ich ward aus dem ineinigen von verschiedenen Andern gezogen, welche mich in schlechtem Französisch fragten, ob ich der Gesandte Bonniersei. Ich antwortete: Ich bin nicht Bonnier, sondern gehöre zur Dienerschaft. Der Bürger Debry wurde von zwei Husaren zu Fuss festgehalten; ein dritter zu Pferde gab ihm den ersten Säbelhieb; sein Kutscher, der meinen Wagen fuhr, rief mir zu: er ist todt! Mehrmals suchte ich vergebens, zu entfliehen; einer der Husaren, welche mich hielten, verlangte Hilfe. Die herbeisprengenden Szekler glaubten, ich wäre einer der Minister und fragten mich wieder,

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