Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs - Supplement. Geschichte K. und K. Wehrmacht 2. (1898)
Aufgelöste Fuss-Truppen - III. Die combinierten Grenadier-Bataillone
— 270 Die Grenadiere waren ferner mit zwei Patrontaschen versehen; die eine, etwas grösser als die des Füsiliers und wie diese an einem breiten Ueber- schwungriemen getragen, war zur Aufbewahrung der Granaten und eines blechernen Luntenverbergers bestimmt; die kleinere, am Leibriemen getragene, nahm die Plintenpatronen auf. Die Bewaffnung des Grenadiers bestand in der Bajonnettflinte und der „Handgranate.” Es war dies eine Hohlkugel, gewöhnlich aus Gusseisen, mit einem Durchmesser von circa 8 Centimeter und IV2 bis 2 Kilogramm Gewicht. Sie wurde mit einer entsprechenden Sprengladung und mit einer Brandröhre versehen, welche die Zündung vermittelte. Zum Werfen der Handgranate nahm der Grenadier das Gewehr am Biemen über den Bücken, steckte die Brandröhre mittelst der Lunte in Brand und warf die Granate rasch gegen den Feind; doch war diese Art der Zündung eine sehr unsichere und war oft Ursache, dass die Granate zu früh crepierte und die eigenen Beihen beschädigte. Die Offleiere und Unterofficiere der Grenadiere trugen auch statt der Partisane (Kurzgewehr) die Bajonnettflinte und zwar stets mit gepflanztem Bajonnette. Die Grenadier - Compagnie hatte grundsätzlich ihre Aufstellung am Bangierungs- (rechten) Flügel und war in drei Züge getheilt; ebenso war bei derselben die dreigliedrige Bangierung normiert (Füsiliere in vier Gliedern). Als jedes Begiment zwei Grenadier-Compagnien im Stande führte, waren selbe an den beiden Flügeln vertheilt. In Kriegszeiten war es aber schon seit dem spanischen Successions- kriege üblich, dass die Grenadier-Compagnien von ihren Begimentern abgetrennt und eine Anzahl derselben unter einem speciell hiezu ernannten Commandanten als selbstständiger tactischer Körper zu grösseren, wichtigen Unternehmungen vorübergehend vereinigt wurden1). Zu den Grenadieren wurden mit Bücksicht auf die oben angedeutete Verwendung stets grosse, starke und in jeder Bichtung gut brauchbare Leute fürgewählt und, obwohl das Werfen der Handgranate in Folge der Mängel dieser Waffe und anderseits der Verbesserungen des Infanterie - Gewehres gegen Ende des siebenjährigen Krieges ganz ausser Gebrauch kam, so wurden die trotzdem weiter bestehenden Grenadier-Compagnien auch fernerhin als eine Elite-Truppe betrachtet und führten die Grenadiere noch durch längere Zeit als Erinnerungszeichen und mehr zur Zierde den messingenen Luntenverberger auf der Brust. Später wurde derselbe durch eine messingene Granate ersetzt, welche am Ueberscliwungriemen vorne auf der Brust getragen wurde; eine zweite solche Granate war auf dem Patrontaschendeckel angebracht. Nachdem im siebenjährigen Kriege zu wiederholten Unternehmungen aus den Grenadier-Compagnien mehrerer Begimenter eigene Bataillone zu 8 bis 10 Compagnien formiert worden waren, fand 1769 die erste Zusammensetzung von „combinierten Grenadier-Bataillonen” auch im Frieden statt. Ein jedes dieser Bataillone hatte aus vier bis sechs Compagnien zu bestehen und war grundsätzlich von einem Oberstlieutenant zu commandieren, welcher hiezu vom Hofkriegsrathe ernannt wurde und einem beliebigen Begimente angehören konnte'1 2 3). Erst 1790 wurde verfügt8), dass derselbe einem der Begimenter angehören müsse, aus deren Divisionen das betreffende Bataillon zusammengesetzt war. Diesen Commandanten, nach welchen die Bataillone als tactische Körper auch in allen rein militärischen Angelegenheiten benannt wurden, welche 1) Eine Bezeichnung dieser Körper als ..Bataillone" fand jedoch erst im siebenjährigen Kriege statt. z) Ks waren hiezu die „tüchtigsten Stahsofftciere" zu verwenden. 3) K. A., Lacy-Acten Nr. 220/16 vom 22. März.