Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 10. (Neue Folge, 1898)
Hauptmann Seidl: Das Mailänder Attentat am 6. Februar 1853 - Einleitung
] )ie gewaltige Erschütterung, welche das Revolutionsjahr 1848 in dem grössten Theile Europas erzeugte, hatte in den nachfolgenden Jahren zahlreiche Nachklänge. Besonders in Italien, dem Lande der Verschwörer und geheimen Bruderschaften par excellence, Hessen verschiedene Vorkommnisse, wie politische Mord- thaten und immer wieder nothwendig werdende Hochverraths- processe, das Fortbestehen einer politischen Agitation in der Bevölkerung leicht erkennen. Schon vor dem Jahre 1848 hatten die sogenannten Carbonari und später die Anhänger der „Giovine Italia“ die Losreissung der lombardisch-venezianischen Provinzen von der Oberherrschaft Oesterreichs und die Herstellung eines einheitlichen, jedoch republikanischen Italien im Wege' einer Revolution im Auge. Diese Idee lebte auch nach den grossen, entscheidenden Erfolgen Oesterreichs auf den Schlachtfeldern von Custozza und Novarra, nach den Ereignissen in Venedig und der Romagna noch immer in den Herzen der Urheber und Leiter der Revolution fort, welche nach dem Falle Roms und Venedigs und der Wiederherstellung des gesetzmässigen Zustandes in Italien sich nach London flüchteten und von hier aus unter der Leitung. Mazzini’s eine neue Action begannen. Dieselbe bestand darin, dass politische Emissäre ausgesandt wurden, um Proselyten für die revolutionäre Idee zu machen, dass durch geheime Vorbereitung von Proclamationen und Schriften aufreizenden Inhaltes die Stimmung der Bevölkerung der italienischen Provinzen dieser Idee zugeführt werden und eine geheime und ausgedehnte Organisierung demagogischer Vereine in ganz Italien als Vorbereitung zu einem allgemeinen Aufstande dienen sollten. Die milde und versöhnliche Behandlung, welche die öster- reichiche Regierung den Italienern nach erfolgter Niederwerfung der