Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 10. (Neue Folge, 1898)

Die Prager Juni-Ereignisse 1848

285 genommen, das Zeughaus, die Artillerie-Kaserne und Schützen- Insel besetzt und über die Kettenbrücke die Verbindung mit General Schütte wieder gewonnen. Gegen Abend versuchten die Insurgenten von der Neustadt aus, das Schlik’sche Haus und so die Verbindung über die neue Allee zur Altstadt wieder z.u nehmen, wurden aber durch das am Graben en reserve gestan­dene Bataillon Wellington und die Escadron Uhlanen, vom com- mandierenden General dahin disponiert, daran verhindert. So waren denn die Insurgenten, Dank der durch die treuen und tapferen Truppen so glänzend ausgeführten Dispositionen, in die engen Gassen der Alt-und Judenstadt gedrängt, abgeschnitten von ihren Verbündeten in der Neustadt und wurden bei ihren wiederholten Angriffen auf unsere Stellungen stets wieder zurück­geworfen. Beim Einbrechen der Nacht trat eine Waffenruhe ein; die Garnison blieb in den eroberten Stellungen, Patrouillierungen in den genommenen Gassen und ausserhalb der Thore sicherten den gewonnenen Erfolg. Die Escadron Palatinal-llusaren, welche die Cavallerie-Batterie am Morgen herüber escortiert hatte, wurde mit einer Streifung — mit 3 Geschützen — von dem Aujezder-Thore über die äusseren Festungs­werke bis zum Sand-Thore beauftragt, diese auch unter Führung des Rittmeisters Lipka, trotz der sich ihnen entgegenstellenden Insurgentenhaufen, vollführt. Die Garnison hatte an diesem Tage den Verlust von 16 Todten und 62 Verwundeten zu beklagen, unter den ersteren Major von der Mühlen und Hauptmann Beranek, unter den letzteren General Reiner, Oberst Mainone, die Hauptleute Benoist und Fischer, Rittmeister Fürst Windisch-Graetz und die Ober­lieutenants Fischhof, Christophi, Staudner und Graf Thun. Die Nacht vergieng ruhig und am Morgen des 13. Juni erschien eine Deputation bei Seiner Durchlaucht dem commandierenden General mit Anträgen zu einer Capitulation, die der Stadt auch unter der Bedingung der Freilassung des Gouverneurs *) und der *) Dessen Gemahlin, durch den ganzen 12. Juni hindurch im Gouvernements- Palast ebenfalls gefangen, weigerte sich standhaft, trotz der ernstesten Drohungen, einen ihr vorgelegten Brief an den Grafen, um letzteren zur Unterzeichnung gewisser Forderungen zu bewegen, abzuschicken.

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