Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 10. (Neue Folge, 1898)

Die Prager Juni-Ereignisse 1848

Deputation gestellten Begehren dem Volke bekannt gaben und die Einwohner Prags zur Unterstützung derselben aufforderten. Das Herabreissen dieser Placate durch das Militär und einige gutgesinnte Bürger führte zu bedeutenden, wenn auch unblutigen Conflicten mit den Studenten und der übelgesinnten Nationalgarde. GM. Fürst Lobkowitz, Chef dieser Letzteren, wollte ein Garde-Bataillon zur Herstellung der Ordnung anwenden, das jedoch den Gehorsam versagte. Die Weigerung des Fürsten, auf die gestellten Begehren einzugehen, wurde zur möglichsten Steigerung der Aufregung benutzt, welche, wie vorausgesehen, auch dadurch nicht behoben wurde, dass der Commandierende auf die dringenden Bitten des Gouverneurs in einem unwesentlichen Puncte, der Ueberftihrung einiger Kanonen aus der Josephs-Kaserne auf den Hradschin, als ihrem gewöhnlichen Platz, nachgab. Die aufgeregte Stimmung der Bevölkerung benützend, ordneten die Parteiführer der Swornost und der Aula für Montag den 12. Juni eine grosse Volksversammlung am Rossmarkte zu einer in einem Capellenzelte abzuhaltenden Messe an, die auch um 10 Uhr Vormittags, unter dem Zudrange einer ungeheueren, sichtbar fanatisierten und in das bunteste Nationalcostüm gekleideten Men­schenmasse abgehalten wurde. Aufreizende Reden, Verwünschungen gegen die Aristokratie, die gutgesinnten Bürger, das Militär und dessen Chef enthusiasmierten die Menge zu einem feierlichen und feurigen allgemeinen Schwur der Verbrüderung und gegenseitiger Unterstützung. In gleicher Zeit jedoch erschien beiläufig um !/211 Uhr eine zahlreiche Deputation von wohl über 200 achtbaren Bürgern im General-Commando, mit der Versicherung des ungeheucheltsten Vertrauens in den commandierenden General und der Bitte, derselbe möge die Zügel in seiner festen Hand bewahren, da es wohl bekannt sei, dass es das Bestreben der Bösgesinnten sei, ihn von seinem Posten zu entfernen. Mit freundlichen Worten beruhigte und tröstete sie der Fürst und sie entfernten sich mit aufrichtigen und laut schallenden „Lebehocli’s“. Um diese Zeit, gegen 12 Uhr Mittags theilten sich die Volksmassen am Rossmarkte und zogen unter lauter Absingung von böhmischen Spottliedern und begleitet von Musik durch die Gassen der Stadt. Ein solcher Haufe begegnete beim General-

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