Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 10. (Neue Folge, 1898)
Hauptmann Veltzé: Der schriftliche Nachlass des Feldmarschalls und General-Lieutenants Raimund Fürsten Montecuccoli - II. Geschichte (Kriegsgeschichte, Mémoiren, Reisen)
*) Grassi, II. p. 272, 280. 2) Nach Prag. zug'estimmt werden kann, da im ersten Theile die Geschichte Ungarns thatsächlich bis 1677 ausgedehnt erscheint, so kann an- derntheils den angeführten Gründen insoferne Rechnung getragen werden, als man annimmt, dass Montecuccoli sein Werk 1673 begonnen, jedenfalls aber erst 1677 fertiggestellt hat. Das, was Grassi aber nur vermuthungsweise ausspricht, dass nämlich im letzteren Jahre dasselbe dem Kaiser überreicht werden *) und vermuthlich die Basis zu einem Türkenkriege bilden sollte, geht augenscheinlich aus der dem ersten Hefte Vorgesetzten „Information au lecteur“ hervor. Es heisst darin: „Beim Beginne der Verhandlungen des Nymweger Friedens war der kaiserliche Hof noch in Wien; einige Wochen vor der Abreise,2) als der Generallieutenant Montecuccoli den Friedensschluss nahe bevorstehend sah, verfasste er das beigeschlossene Project eines Krieges gegen die Türken; er überreichte sein Project dem Kaiser, der es. nachdem er es gelesen, ihm zurückgab.“ Das Werk selbst lässt sich in zwei Theile zerlegen, in einen historischen und einen politischen; der erste schildert in kurzen Strichen und nach Decennien gegliedert die Geschichte Ungarns von 1500—1677; der zweite Theil zieht aus diesen geschichtlichen Ereignissen die Consequenzen für das künftige Verhalten den Ungarn und den Türken gegenüber. Dieser zweite Theil ist jedenfalls der wichtigere, da Uber die ungarischen Verhältnisse das Urtheil eines Mannes vorliegt, der nicht nur oft und durch Jahre daselbst gekämpft, sondern auch als Gouverneur von Raab (Giavarino) Gelegenheit hatte, dieselben genau studieren und beobachten zu können; der Grundton derselben ist hohe Politik, er gibt Mittel und Wege an, die Herrschaft des Kaisers in Ungarn zu festigen, die Privilegien dieses Königreichs zu mindern, den Ehrgeiz der Magnaten zu zügeln, neue Gesetze einzuführen und setzt sich endlich für die Xoth- wendigkeit der Haltung eines stehenden Heeres und die Anlage von Festungen wärmstens ein. Allerdings darf nicht vergessen werden, dass Montecuccoli durchaus kein Freund der Ungarn war und er in seinem Urtheile