Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 8. (Neue Folge, 1894)

Oberlieutenant Criste: Der Beitritt Oesterreichs zur Coalition im Jahre 1813

Der Beitritt Oesterreichs zur Coalition im Jahre 1813. 237 Nation. Sehen Sie doch, was Russland jetzt schon unter einer schwachen Regierung macht. Kaiser Alexander ist der schwächste unter den Monarchen: was wird nicht diese Nation erst machen, wenn sie einmal einen starken Mann an ihrer Spitze hat? Der Franzose ist nicht kriegerisch; er liebt die Künste, die Wissen­schaften, die Industrie und die Freude am Leben. Nur ich bin es, der ihn durch meinen Ernst und meine Rauhheit vorwärts treibt; er muss aber so geführt werden.“1) Während Graf Bubna in Paris weilte, wurden auch die andern österreichischen Gesandten an die hervorragendsten europäischen Höfe geschickt, um das angebliche Friedenswerk zu beginnen, der früher erwähnte Graf Neipperg nach Stockholm, Ludwig Lebzeltern zum Kaiser Alexander nach Kalisz, Philipp Wessenberg nach London. Die Aufträge der beiden Letztgenannten waren fast gleich­lautend : sie sollten fragen, ob England und Russland geneigt seien, die Friedensverwendung Oesterreichs anzunehmen, durften sich jedoch keineswegs über die Grundlagen eines künftigen Friedens äussorn, da Oesterreich nur seine Verwendung (entremise), nicht aber seine Vermittlung (mediation) anbot. Als Macht, die sich lediglich mit einer einfachen Verwendung befasse, habe sie Worte des Friedens hinüber und herüber zu tragen, als ver­mittelnde Macht _hätte Oesterreich den Frieden zu dictieren. Falls Russland und England die Grundlagen eines Friedens nicht bestimmen wollten, so mögen sie es sagen, Oesterreich werde sie dann von Frankreich verlangen. Vorläufig handle es sich jedoch weniger um die Bestimmung der einzelnen Grundlagen eines Friedens, sondern hauptsächlich um Aufstellung jener ersten und allgemeinen Grundsätze, über welche eine Unterhandlung statt­finden könnte. In Details könne man sich erst einlassen, wenn einmal die allgemeinen Grundsätze, wie der des uti possidentis, der Compensationen u. s. w. ausgesprochen und angenommen wären. Beide Bevollmächtigte sollten nachdrücklich betonen, wie nützlich es den Verbündeten sein würde, Oesterreich im Laufe der Ver­handlungen zur Rolle des Vermittlers zu führen, da, wie die 1) Haus-, Hof- lind Staats-Archiv. Bericht Bubna’s v. 1 März. Rapport Nr. 7.

Next

/
Oldalképek
Tartalom