Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 8. (Neue Folge, 1894)
Oberlieutenant Criste: Der Beitritt Oesterreichs zur Coalition im Jahre 1813
Der Beitritt Oesterreichs zur Coalition im Jahre 1813. 229 er sich wieder und machte folgenden Uebergang: „Als ich bemerkte, dass der Vertrag von Tilsit Russland lästig wurde, habe ich Vereinbarungen vorgeschlagen; ich war bereit, zu unterhandeln, aber Russland wollte nicht; es wollte um jeden Preis mit mir brechen (rompre de front). Das ist der Gang meiner Politik. Man hält mich für einen Hitzkopf; man irrt sich, ich bin ein Rechner; ich wäge meine Hilfsmittel ab. Ich bin aufrichtig; ich verhehle mir nicht, welchen Einfluss ein Wechsel des politischen Systems in Oesterreich auf meine Angelegenheiten haben könnte!“ — „Die Bestürzung'1 fügte Bubna diesem Berichte hinzu „welche die Mittheilung von der dem Fürsten Schwarzenberg übersendeten Ordre beim Kaiser Napoleon hervorgebracht hat, war eine derartige, dass ich nach der Sprache, die er geführt, sowie auch nach seiner Haltung und dem Ausdruck seiner Redeweise, die mir noch vollständig gegenwärtig sind, schliessen zu können glaube, dass ihn seine eigene, gegenwärtige Stellung und diejenige, in welche ihn mögliche Aenderungen der Absichten Oesterreichs versetzen werden, in eine Lage reiflicher Ueberlegung gebracht haben.“ *) Napoleon merkte übrigens noch an demselben Tag, dass er sich vor dem österreichischen Gesandten eine Blösse gegeben, indem er seine Bestürzung so wenig verbarg und liess ihm durch den Herzog von Bassano sagen, er möge in seinen Berichten nach Wien die ganze Unterredung verschweigen oder nur dasjenige melden, was er (Bubna) darin Angenehmes gefunden. Aber das Misstrauen Napoleons war geweckt, so sehr er sich selbst zu beruhigen versuchte. 1 2) Von nun an verdoppelte er auch die Rücksicht, mit welcher er Bubna von allem Anfang an beehrt hatte und behandelte ihn bei jeder Gelegenheit mit ganz besonderer Aufmerksamkeit. 3) Unterdessen waren die Reste der „grossen Armee“ in kleinen, elenden Häuflein in Deutschland angelaugt, nicht gerade energisch von der russischen Armee verfolgt. Der Staatskanzler Rumanzow war mit der Fortsetzung des Krieges gar nicht einverstanden. 1) Haus-, Hof- und Staats-Archiv. Bericht Bubna’s vom 3. Februar 1813. 2) „L’ordre donné au prince Schwarzenberg,“ sagte der Herzog von Bassano zu Bubna, „n’est qüéventuel. Cet ordre, connne l’observe l’Empereur, n’est au plus que mal libellé“. Bericht Bubna’s vom 4. Februar. Haus-, Hof- und Staats-Archiv. Bericht Floret’s vom l‘J. Februar.