Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 8. (Neue Folge, 1894)

Oberlieutenant Criste: Der Beitritt Oesterreichs zur Coalition im Jahre 1813

220 Criste. Die tiefe Erschöpfung, in welche Oesterreich durch zwanzig­jährige furchtbare Kämpfe gesunken war, Kämpfe, die es für Deutschland nicht weniger, als im eigenen Interesse geführt, hatte dieses Reich zur strengsten Sparsamkeit genüthigt. Die Ereignisse aber haben gelehrt, dass es trotzdem nicht immer am klügsten ist, dort zu sparen, wo dies scheinbar am leichtesten bewerk­stelligt werden kann: an der Armee. Diese war seit dem Kriege von 1809 so sehr vermindert worden, dass es eines bedeutenden Zeitraumes und der unglaub­lichsten Anstrengung bedurfte, um vollständig zum Kriege gerüstet zu erscheinen. Durch den Frieden von Schönbrunn ward Oesterreich nicht nur eine hohe Kriegsentschädigung und ein Dritttheil seiner Länder abgenommen, sondern auch die Verpflichtung auferlegt woi’den, nicht mehr als 150.000 Mann unter den Fahnen zu halten. Mit den abgetretenen Gebietstheilen waren auch die Werb­bezirke von sechs Infanterie-Regimentern verloren gegangen, wesshalb diese aufgelöst werden mussten. Der Loco-Stand der Armee wurde auf das Möglichste reduciert; die deutschen Infanterie- Regimenter behielten nur zwei Bataillone zu sechs Compagnien; jede Compagnie hatte einen Loco-Stand von 50 Gemeinen; das dritte Bataillon, zu vier Compagnien, unter dem Namen „Chargen- Depot“ hatte gar keine Mannschaft. Die Jäger-Bataillone kamen von sechs auf zwei Compagnien, die schwere Cavallerie von sechs auf vier, die leichte von acht auf sechs Escadronen. Nur die ungarischen Infanterie-Regimenter behielten ihre 120 Gemeinen per Compagnie. Alle Landwehren wurden aufgelöst. FML. Graf Radetzky hatte schon als General-Quartiermeister des Fürsten Johann Liechtenstein wiederholt den Vorschlag gemacht, diese 150.000 Mann nur als Stamm für künftige Einrichtungen zu behalten und Alles so vorzubereiten, dass sofort eine grosse Armee - Augmentation vorgenommen werden könne. Obwohl dieser praktische Vorschlag den lebhaften Beifall des leitenden Ministers Grafen Metternich fand, setzte es der Hofkammer­J) Denkschriften militar- politischen Inhalts aus dem handschriftlichen Nachlasse des k. k. österr. FH. Grafen Radetzky. Stuttgart und Augsburg. 1858. pag. 3 u. f.

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