Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 8. (Neue Folge, 1894)
Oberlieutenant Criste: Der Beitritt Oesterreichs zur Coalition im Jahre 1813
210 Criste. ein grosser Fehler des Marschalls gewesen, die Preussen zurückzulassen und sie dadurch, ohne es zu wollen, fast mit Gewalt zu zwingen, die ihnen ohnehin unsympathische Sache der Franzosen aufzugeben und mit den sie fast ganz umgehenden Russen einen Waffenstillstand zu schliessen. Als York sich Koltyniany näherte, fand er denn auch die Höhen von den Russen bereits besetzt, während eine andere Colonne, aus Kurland kommend, in seinem Rücken drängte. Diebitsch, welcher die russische Abtheilung bei Koltyniany befehligte, bot York am 25. einen Neutralitätsvertrag an; doch konnte sich dieser hiezu noch nicht entschliessen. Am nächsten Tag langten auch aus Memel, vom russischen General Paulucci, der York schon früher ähnliche Vorschläge gemacht hatte, neuerdings Anträge ein, welchen diesmal auch ein Schreiben des Czaren beilag, in welchem er seine Bereitwilligkeit aussprach, mit Preussen einen Vertrag einzugehen, der ihm seine Wiederherstellung verhiess. York, der bereits mit den ersten Anträgen Paulucci’s den Major Seydlitz nach Berlin gesandt hatte, um Klarheit über die politischen Absichten des preussischen Cabinets zu erhalten, schickte jetzt abermals einen Officier dahin, um Bericht zu erstatten. Am 29. December traf nun Major Seydlitz wieder bei York ein. Der König hatte allerdings, wie aus einem Brief Hardenbergs hervorgeht, die Capitulationsverhandlungen mit den Russen verboten, doch ist es zweifelhaft, ob Major Seydlitz dies Verbot des Königs bekannt geworden sei. *) Es blieb also York weiter überlassen, „nach Umständen“ zu handeln und da auch Seydlitz zu den Männern gehörte, welche damals, wie Lehmann sagt, um das Vaterland zu retten, auf eigene Faust Politik trieben und gewiss das Seinige that, um York alle Bedenken auszureden, so konnte sein Entschluss nicht mehr zweifelhaft sein, umso weniger, als einige Umstände dazukamen, die vollends den Ausschlag gaben. Fast gleichzeitig mit Seydlitz trafen nämlich Briefe von Paulucci und Wittgenstein ein, die ihre Annäherung ankündigten und auf raschen Abschluss drangen; überdies kam, von Diebitsch gesandt, Clause- witz, um endlich eine bestimmte Antwort zu holen. Er brachte auch zwei Briefe mit. In dem einen theilte Wittgenstein mit, dass B Historische Zeitschrift. 61. Band. S. 386.