Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 8. (Neue Folge, 1894)

Oberlieutenant Criste: Der Beitritt Oesterreichs zur Coalition im Jahre 1813

202 Criste. gesagt, dass er durchaus nicht gekommen sei, um neue Forderungen zu stellen.“ *) Napoleon hatte die Wirkung seines blitzähnlichen Eintreffens richtig beurtheilt — die Pariser waren „verblüfft“; er hatte sie wieder erobert, sie bewunderten ihn. Nun musste er sie auch be­ruhigen und das that er, indem er versicherte, keine neuen Forderungen stellen zu wollen und sich ganz mit den inneren Angelegenheiten seines Reiches beschäftigte. Die Verschwörung Malet’s gab ihm willkommenen Anlass, die während seiner Abwesenheit etwas kleimnüthig und lässig gewordenen Beamten aufzurütteln. „Wenn schon das blosse Gerücht seines Todes eine Unternehmung, wie die Malet’s, unterstützen konnte, mit welchen Gefahren war nicht das Reich bei seinem wirklichen Tode bedroht! Und doch ist sein Leben noch lange Zeit dem Kanonen- und Gewehrfeuer blossgestellt. Malet hat demnach ein unseliges Geheimniss enthüllt, das Geheimniss der Schwäche der neuen Dynastie. Den Kaiser quält die Aussicht, die man sich nach seinem Tode macht. Wie soll man die Zukunft gegen mögliches Unglück schützen? Wie soll man die Stärke er­setzen, welche die Zeit den Rechten der Souveraine verleiht? Unsere Väter sammelten sich unter dem Rufe: „Der König ist todt, es lebe der König!“ In diesen wenigen Worten ahnt Napo­leon die Stütze, welche ihm die monarchischen Theorien darbieten können.“1 2) Desshalb sollte auf ausdrückliches Verlangen des Senats der König von Rom, sollte- die Kaiserin gekrönt werden. 3) Zugleich aber wies er, der Besieger der französischen Revolution, bedeutungs­voll auf die noch in lebhafter Erinnerung stehenden Schrecken dieser Jahre hin. „Die Ideologie ist es,“ sagte er, „welche auf ihren 1) Haus-, Hof- und Staats-Archiv. Lefébvre an Metternich. Rapport Nr. 59 C. vom 28. December 1812. a) Fain, a. a. 0. I. pag. 16. 3) „Plusieurs personnes imaginent,“ schrieb darüber Gentz am 14. April 1813 „que cette démarche n’a été faite par Napoléon que pour flatter la cour de Vienne. Si tel était son but, on peut dire qu’il l’a complétement manqué. Mais il est bien plus vraisemblable que ce sont ses embarras directs qui lui ont suggéré ce projet bizarre.“ (Dépéches inédites du Chevalier de Gentz aux Hospa- dars de Valachie. Paris. 1876. pag 17.)

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