Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 8. (Neue Folge, 1894)

Oberlieutenant Criste: Der Beitritt Oesterreichs zur Coalition im Jahre 1813

Ais in Europa die Kunde sich verbreitete, dass die „grosse Armee“ in Russland vollständig vernichtet worden und nur ein­zelne Trümmer derselben auf dem Rückzug sich befänden, diese Kunde dann durch das 29. Bulletin „diesem muthigen Act der Selbstanklage“ vom Kaiser der Franzosen selbst bestätigt wurde, schien die Zeit gekommen, um der Gewaltherrschaft des Impe­rators ein Ende zu machen und die Uebermacht Frankreichs in ihre natürlichen Grenzen zurückzu drängen. Besonders auf den Geist der Völker, die in stummer Resig­nation das Joch der Fremdherrschaft getragen und noch immer trugen, wirkte diese Nachricht wie ein Wort der göttlichen Offen­barung und namentlich dort, wo dieses Joch am drückendsten lastete, im deutschen Norden, erhoben jetzt warm fühlende Pa­trioten ihre Stimmen und riefen Volk und König auf zum „hei­ligen Krieg“, zur Zertrümmerung der Tyrannenherrschaft. Natürlich aber ist es, dass jene Männer, welche an der Spitze der Völker standen, sich nicht so rasch entschliessen konnten, diesem Rufe Folge zu leisten; dass sie vielmehr, gerade weil auch ihnen, so wie den vielen Stürmern und Drängern, klar war, dass jetzt die Zeit zu energischem Handeln gekommen, die auflodernde Begeisterung ihres Innern zurückdrängen mussten, um, wenn auch anscheinend weniger begeistert, dafür aber plan- mässig und zielbewusst gegen die nur ins W a n k e n gerathene Macht Napoleons vorzugehen. Man schlägt ja ohne Bedenken in heiliger Begeisterung sein eigenes Leben in die Schanze für eine grosse Sache — heilige Pflicht aber ist es, zu überlegen, ehe man ein ganzes Volk, zu dessen Führung man berufen ist, opfert. Und die Sache Napoleons war noch lange nicht verloren; der Schlachtenkaiser noch lange nicht besiegt. Der russische

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