Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 8. (Neue Folge, 1894)

Beitrag zur Geschichte des Krieges in Ungarn 1848/49

180 Beitrag zur Geschichte des Krieges in Ungarn 1848/49. actenmässiger Aussage des Gegners nicht mehr durch acht Tage halten konnte, herbeigeführt haben würde. Die Schuld des Feldmarschalls war es nicht, wenn nach seiner Entfernung vom Commando die Armee, moralisch geschädigt, in eine üble Lage gerieth. Noch unmittelbar vor seiner Abreise am 14. April empfahl er FML. Wohlgemuth die Festhaltung der Gran-Linie und gab in einem ausführlichen Schreiben dem ihm im Commando nachfolgenden FZM. Baron Weiden genaue Kenntniss von der Armee, seinen Absichten und getroffenen Dispositionen. Diese letzteren kamen jedoch nicht zur Durchführung, denn der bis zum Eintreffen Welden’s zum Interims-Commandanten des kaiserlichen Heeres in Ungarn bestellte Banus Jellaeic hatte trotz des schriftlichen Protestes des Generalstabs-Chefs der Armee, FML. Grafen Nobili und trotz der Bitten der an der Gran stehenden kaiser­lichen Generale, die ihre günstige Stellung an diesem Flusse und die Wichtigkeit derselben gegenüber dem Anrücken der Armee Görgey’s erkannten, denselben unmittelbar nach der Abreise des Feld­marschalls den wiederholten Befehl zukommen lassen, ihre Stellungen zu räumen und die drei Brigaden bei Gran zu concentrieren. Wenn auch FZM. Weiden bei seinem Eintreffen in dieser Stadt, diese Verfügung erfahrend, sogleich den Rückmarsch in die verlassenen Positionen anbefahl, so war doch dadurch der ver­ursachte Nachtheil nicht mehr zu beheben. Denn Görgey hatte inzwischen am 18. April bei sehr hohem und reissendem Wasser­stande nach dem Abzüge der Brigaden die Gran bei Kálna, O-Bars und St. György überschritten und schlug nun die ihm einzeln entgegentretenden Brigaden des IV. Corps bei Nagy-Sarlo, zwang dieselben, über die Waag zu weichen und führte dadurch den Entsatz von Komorn und den Rückzug der kaiserlichen Armee von Ofen gegen Pressburg herbei. Die Endsituation, in welcher FM. Fürst Windisch-Graetz die Armee verhess, war demnach derart, dass mit Recht eine erfolg­reiche Verwendung der zur Armee gestossenen Verstärkungen und damit der Sieg der kaiserlichen Waffen ohne thatsächliche Unter­stützung durch die russische Armee erwartet werden konnte. Die beabsichtigte Schluss-Operation gelangte nicht zur Ausführung und Wirkung, weil der Wechsel im Armee-Commando so völlig- unerwartet eintrat.

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