Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 8. (Neue Folge, 1894)

FML. Freiherrn von Sacken: Das österreichische Corps Schwarzenberg-Legeditsch. Beitrag zur Geschichte der politischen Wirren in Deutschland Ende 1849-1851

158 Sacken. vermehrte das noch in vielen Kreisen herrschende Misstrauen gegen den Parlamentarismus. Sofort bemächtigten sich die Monarchen und die Diplomaten der Angelegenheit und traten bald gemeinsam, bald in gegenseitigem Widerstreit in Action. Nur in einem Puncte stimmten sie unbedingt überein: in der Aufrechthaltung der legitimen Rechte und in der Bekämpfung jeder revolutionären Regung. Im Uebrigen wurden die Spaltungen immer entschiedener, die Kluft immer weiter, die Rivalität der führenden Mächte Oesterreich und Preussen immer lebhafter. Schon war man der, leider einzig endgiltigen Entscheidung durch das Schwert nahe gerückt, als im letzten Moment der versöhnliche Geist der Monarchen obsiegte, zur fried­lichen Wendung führte und man neuerdings zu Verhandlungen schritt. Ein glänzender Sieg ward der österreichischen Politik am grünen Tische der Diplomaten; er blieb aber ohne praktischen Werth und Folgen, da man vor der ultima ratio nicht nur der Könige, sondern auch der Staaten und Völker in den grossen Fragen zurückschreckte. Gleichsam wie die grossen Seemächte an jene Gestade, an welchen ihre Interessen im Spiele stehen, Flotten-Abtheilungen ent­senden, um dem Wirken ihrer diplomatischen Vertreter Nach­druck zu verleihen oder im entscheidenden Momente in Action zu treten, ebenso verfügte Oesterreich die Aufstellung eines Truppen- Corps in Vorarlberg und Nord-Tyrol. Thatsächlich gestaltete sich auch der Einfluss und das Wirken des Corps in analoger Weise. Ursprünglich war eine Einflussnahme des Corps Schwarzen­berg airf die sich in Südwest-Deutschland vollziehenden Ereignisse intentioniert. Es erfolgten auch, wie wir gesehen haben, wieder­holt Aufforderungen, in dem durch die Revolution bedrängten Baden zu intervenieren; es kam nicht dazu. Hingegen erwies sich die Anwesenheit des Corps in anderer Richtung von unschätzbarem Werth, ihm verdankt Oesterreich zweifellos den engen Anschluss Württembergs an seine Sache. Die Gefahr, dass durch das Ein­schreiten Preussens, gleichwie in Baden, auch Württemberg zum Beitritt zur Union gezwungen werde, lag nahe. Ueberdies befand sich der König im eigenen Land bedroht; die Nähe der k. k.

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