Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 8. (Neue Folge, 1894)
FML. Freiherrn von Sacken: Das österreichische Corps Schwarzenberg-Legeditsch. Beitrag zur Geschichte der politischen Wirren in Deutschland Ende 1849-1851
110 Sacken. seit gestern Abends aus den Berichten des königlich preussischen Geschäftsträgers Herrn von Kamptz. Er ändert an dem Begehren der im Namen Deutschlands handelnden Mächte nichts. E. Hoch- geboren wollen daher erneuert auf der Unterbringung von ein paar österreichischen Bataillonen in Hamburg bestehen, die aus klarer militärischer Noth Wendigkeit hervorgeht. Herr von Kamptz ist angewiesen, Hochdieselben darin zu unterstützen. Es geht an diesen heute zugleich die Weisung ab, dem hohen Senate den nahen Durchmarsch königlich preussischer Truppen (für Rendsburg bestimmt) anzuzeigen und die Unterbringung einer Abtheilung königlich preussischer Truppen in Aussicht zu stellen. Das Resultat Ihrer Bestrebung wollen E. Hochgeboren direct zur Kenntniss des Herrn FML. von Legeditsch bringen, dem die entsprechenden Weisungen von Wien aus zugegangen sind. Wegen der Verpflegungskosten der Truppen muss die Verhandlung direct zwischen dem kaiserlichen Hauptquartier und der Stadt Hamburg eingeleitet werden.“ Schon am 24. Januar langte vom Grafen Lützow und bald darauf auch vom Grafen Mensdorff die Nachricht ein, dass der Senat seinen Widerstand aufgegeben habe und seinen Protest zurückziehe, doch an die Zustimmung zum Einmärsche österreichischer Truppen allerlei Bedingungen knüpfe. Es war wohl zu erwarten, dass der Senat der scharfen Pression beider Grossmächte, namentlich angesichts eines 25.000 Mann starken kaiserlichen Corps alsbald weichen werde. Bei den Verhandlungen stellte es sich übrigens heraus, dass neben den politischen auch finanzielle Bedenken Vorlagen, welche zu dem gedachten Proteste führten, indem die Bequartierung preussischer Truppen in Hamburg während der Unabhängigkeits-Kämpfe der „meerumschlungenen“ Provinzen, der Stadt mehr als eine Million gekostet haben soll. Die Stelle in der Note Prokesch’s über die Entschädigung der Stadt für die Verpflegskosten, mag daher auch von guter Wirkung gewesen sein. Die vom Senate ausgesprochenen Wünsche, dass die Zahl der zu bequartierenden Truppen nicht über 4000 Mann betrage, dann dass nur Truppen deutscher Nationalität in die Stadt verlegt