Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 7. (Neue Folge, 1893)
Major Hausenblas: Oesterreich im Kriege gegen die französische Revolution 1792 (Fortsetzung im VIII. Bande)
82 Hausenblas. Die von vornekerein bestandene räumliche Entfernung zwischen den beiden französischen Armeen war somit eine noch grössere geworden und der Herzog von Braunschweig konnte sich nicht veranlasst finden von seinem ursprünglichen Plane, rasch gegen die Maas vorzudringen, sich Verduns zu bemächtigen und die Trennung bei dem Feinde hiedurch aufrecht zu erhalten, abzugehen. Abermals war es ein geographischer Punct, welcher eine grössere Anziehungskraft auf den Herzog ausübte, als die feindliche Armee, deren Inferiorität einen Sieg der verbündeten Waffen doch so wahrscheinlich machen musste. Wohl kann nicht geläugnet werden, dass der rasche Fall von Longwy, sowie das Einverständniss mit dem Festungs - Commandanten, dessen sich die Emigranten rühmten, dem Herzog eine gewisse Berechtigung zu der Voraussetzung gaben, dass auch Verdun seine Thore schon bei dem Erscheinen der Verbündeten öffnen werde, keinesfalls aber durfte mit Sicherheit auf diese Thatsache gezählt werden und leistete Verdun längeren Widerstand, als dies später in Wirklichkeit geschah, so wäre den Franzosen hieraus die Möglichkeit erwachsen, die Verteidigung gegen die Invasion schon an der Maas statt erst hinter den Argonnen zur Durchführung zu bringen. Während des Vormarsches gegen Verdun sollte Clerfayt die rechte Flanke decken und derselbe wurde angewiesen, nach Stenay an die Maas zu rücken. ') Zur Sicherung der linken Flanke wurde Hohenlohe bestimmt und diesem der Auftrag ertheilt, zunächst einen „Versuch“ auf Thionville zu machen.* 2) Um aus dem Einverständnisse der Emigranten mit dem Festungs-Commandanten, sowie aus ihrer Vertrautheit mit den localen Verhältnissen Nutzen zu ziehen, wurden dieselben angewiesen, über Roussy gegen Thionville zu rücken. Das hessische Corps hatte der Haupt-Armee zu folgen und durch eine Aufstellung in der Gegend von Longuion und Marville sowohl die Verbindung Clerfayt’s, als Braunschweig’s mit Longwy zu sichern.3) ') K. A. 1792; VIII, 151. 2) K. A. 1792; vm, 128. Braunschweig an Hohenlohe vom 25. August 1792. J) K. A. 1792; VIII, 151.