Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 7. (Neue Folge, 1893)

Major Hausenblas: Oesterreich im Kriege gegen die französische Revolution 1792 (Fortsetzung im VIII. Bande)

Oesterreich im Kriege gegen die französische Revolution 1792. 47 Rüstungen der Franzosen nach Ausbruch des Krieges. Operationsplan zur Abwehr der Invasion. Aufmarsch. Der schmäliliclie Ausgang ihrer ersten kriegerischen Versuche hatte den Franzosen nur zu deutlich gezeigt, wie sehr sie sich durch schöne Worte über den Zustand der Armee hatten täuschen lassen. Der Briefwechsel der Generale mit den Kriegsministern in den ersten Monaten des Feldzuges liefert den besten Beweis, wie wenig man im Stande war, einen Krieg zu führen und bezeichnend sind die Worte Lafayette’s, welcher am 6. Mai 1792 an den Kriegsminister de Grave schreibt: „Je ne puis concevoir comment on a pu declarer la guerre, en n’étant prét sur rien.“') An dem guten Willen hatte es wohl nicht gemangelt, denn alle Parteien waren einig, wenn es sich um die Stärkung der Wehr­kraft handelte; auch decretiert und organisiert wurde genug, doch die kräftige Hand fehlte, welche bei der eingerissenen allgemeinen Unordnung, der Disciplinlosigkeit in der Armee, bei dem Mangel jedweder Autorität, bei der grossen Geldnoth und der allgemeinen Misswirthschaft die Durchführung der angeordneten militärischen Massnahmen mit eiserner Energie geleitet hätte. Der Einfluss des Königs war nahezu ganz geschwunden und die Kriegsminister wechselten zu rasch, um helfend eingreifen zu können.* 2) Das bisherige Missgeschick war jedoch nur geeignet, die National-Versammlung zu neuen Kraftanstrengungen anzuspornen. Die Rüstungen wurden fortgesetzt und es entstand eine Reihe von Neuformationen.3 * * 6) !) Chuquet I, 24. 2) Gab es doch innerhalb eines Jahres eilf Kriegsminister: Duportail bis 5. December 1791, Narbonne bis 9. März 1792, de Grave bis 8. Mai, Servan bis 12. Juni, Dumouriez bis 16. Juni, Lajard bis 23. Juli, d’Abancourt bis 10. August, Claviéres bis 21. August, Servan zum zweitenmale bis 6. October, Lebrun bis 18. October, Fache bis 2. Februar 1793 etc. s) Siehe Band IV „Die Heere des Kaisers und der französischen Revolution“. Am 27. April decretierte die National-Versammlung die Formierung von 6 Legionen, deren jede aus zwei Jäger-Bataillonen, einem Regimente Jäger zu Pferd und einer Handwerker-Abtheilung bestehen sollte. Am 5. Mai wurde die Auf­stellung von weiteren 31 Nationalgarde-Bataillonen decretiert, welche Zahl man am 14. Mai auf 45 steigerte; gleichzeitig ergieng der Befehl, den Stand der National­garde-Bataillone von 500 auf 800 Mann zu erhöhen. Am 2. Juli wurde ein Gesetz

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