Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs - Supplement (1892)
Kriegs-Chronik Oesterreich-Ungarns. Militärischer Führer auf den Kriegsschauplätzen der Monarchie. IV. Theil. Der nordöstliche Kriegsschauplatz in Galizien und der Bukowina - Feldzug 1812 in Russland
28 Feldzug 1812 Jahre 1812, als sich Russland gegen die herrschsüchtigen und überhebenden Wünsche Napoleons ablehnend verhielt, in offene Feindschaft über. Dieser sammelte ein Heer, zu dem neapolitanische, holländische, portugiesische und deutsche Rheinbund- Truppen, weiters ein preussisches Hilfscorps gezogen wurden. Auch Oesterreich, zu dessen Schwächung Russland im Jahre 1809 beigetragen hatte, war gezwungen, Napoleon unter besonderen Bedingungen ein selbstständiges Auxiliar-Corps beizustellen. Am 12. Juni 1812 kam der Kaiser nach Königsberg und überschritt am 23. mit 400.000 Mann, denen später noch 140.000 Mann folgten, den Niemen, um in Russland einzurücken. Die Oesterreicher sollten von Galizien aus mit 30.000 Mann eine Diversion in Wolhynien machen und ein sächsisches Corps 17.000 Mann unter General Reynier, die Verbindung der Haupt- Armee mit dem österreichischen Auxiliar-Corps aufrecht erhalten. Letzteres wurde von dem G. d. C. Fürst Schwarzenberg befehligt, bestand aus den Divisionen Trauttenberg, Bianchi, Siegenthal und Frimont und zählte 29 Bataillone, 45 Escadronen und 60 Geschütze. Die Russen hatten 200.000 Mann zur Verfügung, dazu eine Armee von 50.000 Mann im Anmarsche, die nach dem eben beendeten Türkenkriege verfügbar geworden war und welche Admiral Tschitschagoff aus der Moldau heranführte. 100.000 Mann standen Napoleon directe gegenüber, 40.000 Mann zu ihrer Unterstützung bereit; 40.000 Mann unter dem General Tormassoff deckten die südliche Front gegen die Sachsen und Oesterreicher. Zum Schutze der österreichischen Staaten gelangte in Galizien ein besonderes Corps zur Aufstellung. Das Auxiliar-Corps befand sich in Quartieren zwischen Radvmno, Lemberg und Zloczow. Anfangs Juni befahl Napoleon die Concentrirung des Corps in der Gegend von Lublin. Die Truppen brachen am 10. auf und erreichten am 13. Juni die Puncte Lubycza, Narol, Uhnow und Rawa. Am 15. wurde die Grenze des Herzogthums Warschau zwischen Belzec und Tomaszow überschritten, am 20. Lublin erreicht; eine Brigade, die über Grabowice und Chelm marschirte, sicherte den Marsch.