Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs - Supplement (1892)
Kriegs-Chronik Oesterreich-Ungarns. Militärischer Führer auf den Kriegsschauplätzen der Monarchie. IV. Theil. Der nordöstliche Kriegsschauplatz in Galizien und der Bukowina - Feldzug 1809 im Herzogthume Warschau und in Galizien
im Herzogthume Warschau und in Galizien. 19 Pietrikozkye. Raszyn. und am 15. April ward Novemiasto passirt; das Gros des siebenten Armee-Corps erreichte Sadkovice auf der Strasse von Biala, der Vortrab Nardy. Fürst Poniatowski hatte die Offensive der Oesterreicher wahrscheinlich nicht erwartet; auf die Nachricht von dem Ueber- gange derselben bei Pilica verhess er mit seinen Truppen Warschau und nahm bei Raszyn, an der Strasse von Warschau nach Radom und bei Piaseczno, an der Strasse Warschau—Pulawy Aufstellung. Der Erzherzog hatte von dieser Bewegung des Feindes Kenntniss und nahm sogleich die Richtung auf Raszyn. Am 17. April traf er in Osuchow, mit der Vorhut' in Pietrikozkye ein und seine Vorhut-Detachements suchten Fühlung mit dem Feinde zu gewinnen; in Folge dessen kam es auch zu einem kleinen Cavalleriegefechte bei Pietrikozkye; die Polen räumten das Feld und das Armee- Corps kam am 18. April ungehindert bis Tarczyn, dessen Vorhut bis Kotoridze. Am 19. April Früh brach der Erzherzog zum Angriffe auf Raszyn auf. Die österreichische Cavallerie stiess bei Falenty auf die feindliche; diese wich auf Raszyn aus und Sumpfboden hinderte ihre Verfolgung. Bald besetzte feindliche Infanterie Falenty wieder. Zum Angriffe auf den rechten Flügel, als Hauptangriff, wurde GM. Civalart mit 6 Bataillonen Infanterie und 4 Escadronen Husaren über Jaworow dirigirt, während links die Posten Falenty und Raszyn vom Regimente Vukassovich (Inf.-Reg, Nr. 48) angegriffen werden sollten. Die Colonne Civalart gerieth in sumpfiges Terrain, vermochte nicht durchzudringen und die Last des Gefechtes ruhte nun ausschliesslich auf dem Regimente Vukassovich, welches, allerdings nach schweren Verlusten, unterstützt durch ein Bataillon Weidenfeld-Infanterie (Inf.-Reg. Nr. 37), um 11 Uhr Nachts das Gefecht siegreich entschied. Die Polen verloren 2000 Todte und Verwundete, 300 Gefangene und 5 Kanonen. Die Oesterreicher zählten 3 todte und 7 verwundete Officiere, 71 todte und 225 verwundete Soldaten, 72 Mann wurden gefangen oder vermisst. Am 20. April rückte das siebente Armee-Corps in zwei Colonnen auf Warschau. Die Nachhut des Gegners leistete bei Rakowiec und Szczensliwiec kurzen Widerstand. Die ungenügende Vertkeidigungs- Instandsetzung und der Mangel an Truppen liess eine Vertheidigung Warschaus so aussichtslos erscheinen, dass Fürst Poniatowski sich 44*