Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs - Supplement (1892)

Kriegs-Chronik Oesterreich-Ungarns. Militärischer Führer auf den Kriegsschauplätzen der Monarchie. IV. Theil. Der nordöstliche Kriegsschauplatz in Galizien und der Bukowina - Vorgeschichte

6 Vorgeschichte. Mitte des XIII. Jahrhunderts war das Ansehen der Kirche in dem von Bürgerkriegen durchwühlten Lande zu bedeutender Höhe gestiegen. Seit Beginn dieses Jahrhunderts gewann das deutsche Element, zuerst in Schlesien, dann in Gross- und Klein- Polen grosse Ausdehnung. Eine natürliche Folge dieser Erscheinung war, dass Theile Schlesiens abgetrennt und mit der Lausitz ver­einigt wurden und dass gegen Ende des Jahrhunderts einige schlesische Herzoge durch Anerkennung der böhmischen Oberhoheit dem deutschen Reiche sich unterwarfen. In demselben Zeiträume suchte Pommern sich südwärts der Netze auszubreiten, drang Brandenburg über die Oder (um 1250) und erhob sich der deutsche Orden an der unteren Weichsel zu einer drohenden Macht. Zur Zeit Boleslaw V. im Jahre 1241 fielen die Mongolen, nach Unter­werfung der russischen Theilfürsten, in Polen ein. Sie besiegten die Heere, die sich ihnen bei Oppeln und Wahlstatt nächst Liegnitz entgegenstellten, und wälzten sich, auf ihrem Wege Alles vernichtend, nach Mähren. Im Jahre 1247 starb Boleslaw V., Oheim Konrad von Maso- wien; dessen Besitzungen wurden durch Theilung zersplittert. Daniel von Halicz liess sich 1253 zum Könige krönen. 1255 entriss er den Polen Lublin und 1259 verbanden sich sein Bruder und sein Sohn mit den Mongolen, um Sandomierz zu zerstören und Krakau zu verwüsten. Daniel folgte sein Sohn Lew und Boleslaw V., ein Nachkomme Konrads von Masowien, Leszek (der Schwarze) II. In den Streitigkeiten um die Nachfolge nach Leszek II. machten sich die Böhmen zu Herren in Krakau, und Wladislaw IV., der sich in Sandomierz behauptete, wurde 1292 gezwungen, Wenzel II. zu huldigen. Der Kampf um den Besitz Gross-Polens schwankte zwischen mehreren Prätendenten auf und ab, bis endlich Wenzel II. mit der Hand von Przemyslaw II. (letzten Sprossen Mieczislaw III.) Tochter Richsa die Krone Polens erwarb und sich im Jahre 1300 in Gnesen krönen liess. Als im Jahre 1306 Wenzel HI., der letzte Przemyslide, ermordet wurde, gewann Wladislaw IV. wieder an Terrain und konnte sich am 20. Jänner 1320 in Krakau die Königskrone als Wladislaw I. auf das Haupt setzen, nachdem seine Vorgänger den Königstitel bereits aufgegeben und den Herzogs­titel angenommen hatten. Wladislaw I. konnte den Abfall einiger Landestheile an Johann von Böhmen nicht hindern, da er in

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