Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs - Supplement (1892)
Kriegs-Chronik Oesterreich-Ungarns. Militärischer Führer auf den Kriegsschauplätzen der Monarchie. III. Theil. Der südöstliche Kriegsschauplatz in den Ländern der ungarischen Krone, in Dalmatien und Bosnien - Der Krieg in Ungarn 1848-1849
Der Krieg in Ungarn 1848—1849. 481. und zwei Geschütze, eine vortheilhafte, durch einen Jägergraben gedeckte Position. Während die Kosaken die linke Flanke des Gegners auf Gebirgspfaden abermals umgingen, griffen die Russen in der Front mit dem Bajonnette an, nahmen den Jägergraben und trieben den Feind bis nach Unter-Tömös, wo das enge Thal — durch ein Blockhaus gesperrt — wieder eine treffliche Vertheidigungs- Stellung bot. General Luders Hess auf dem Predeal lagern und brach am folgenden Tage um 3 Uhr Morgens gegen Unter-Tömös auf, während gleichzeitig 2 Bataillone, 200 Kosaken und 2 Geschütze vom Kloster Skid in der linken Flanke entsendet wurden, um eine feindliche Abtheilung vom Berge Sibot zu vertreiben und über Rosenau (Rosnyó) die Verbindung mit dem GM. Engelhardt aufzusuchen. Als die russische Vorhut vor Unter-Tömös erschien, erüffneten die Ungarn ein heftiges Geschützfeuer. Alle Versuche der Angreifer, die Stellung des Gegners zu umgehen, scheiterten an der Unwegsamkeit des Terrains und der Tapferkeit der Ungarn. Endlich, nach einem mehr als einstündigen Kampfe, gelang es einer russischen Schützen-Abtheilung, einen Felsen in der linken Flanke des Feindes zu erklimmen und die ungarische Artillerie in Unordnung zu bringen. Nun drangen die russischen Sturm-Colonnen auch in der Front unaufhaltsam vor, eroberten vier Geschütze und trieben den Feind in Unordnung gegen Kronstadt und weiter gegen Tartlau. Die Russen batten 85, die Ungarn über 300 Mann verloren. Um 1 Uhr Mittags stand das russische Gros vor dem Kronstädter Bergschlosse, welches die Ungarn mit 320 Mann und fünf Kanonen besetzt hielten. Als die Aufforderung zur Ueber- gabe erfolglos blieb, Hess General Lüders, von einer westlich situirten Höhe aus, die Vorbereitungen zur Beschiessung des Schlosses treffen. Am 21. Juni Morgens begannen vier Zwölfpfünder und vier Haubitzen ein so heftiges und wirksames Feuer gegen das Schloss, dass dessen Besatzung am 22. Juni um 5 Uhr Früh capitulirte. General Engelhardt hatte die Grenze am 19. Juni ebenfalls überschritten und seine Vortruppen gelangten ohne Hinderniss bis vor die bei La Krutse angelegte Verschanzung. Da der Gegner hier Widerstand leisten wollte, gingen die Russen in zwei Colonnen sogleich zum Sturme vor. Ohne den Nahkampf abzuwarten, wichen die Ungarn, durch das waldbedeckte Terrain begünstigt, nach Unter-Tömös. Kronstädter Bergschloss. La Krntse.