Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs - Supplement (1892)
Kriegs-Chronik Oesterreich-Ungarns. Militärischer Führer auf den Kriegsschauplätzen der Monarchie. III. Theil. Der südöstliche Kriegsschauplatz in den Ländern der ungarischen Krone, in Dalmatien und Bosnien - Der Krieg in Ungarn 1848-1849
474 Der Krieg in Ungarn 1848—1849. Piski. Am 8. Februar langten die aus der Gegend von Arad abgesendeten Verstärkungen unter Major Hrabowsky in Déva an und setzten Bem in die Lage, wieder die Offensive ergreifen zu können. FML. Puchner seinerseits rückte an diesem Tage zum Angriffe vor und bemächtigte sieb der der Brücke von Piski gegenüber liegenden Höhen, von welchen aus er ein wirksames Feuer auf die Stellung der Ungarn eröffnete, welches durch ein lebhaftes Tirailleur-Gefecht am Ufer des Strell-Flusses unterstützt ward. Bern, der immer neue Truppen in Thätigkeit setzen konnte, erstürmte um 10 Uhr Vormittags das der Brücke vorliegende Mauthhaus und erbeutete hiebei zwei Geschütze. Bald ward aber das Mauthhaus von den Kaiserlichen wieder genommen und der Gegner über die Brücke gedrängt, auf welcher sich ein wüthendes Handgemenge entspann, bis das aus unmittelbarer Nähe abgegebene Kartätschenfeuer der Ungarn die Kaiserlichen zum Rückzuge zwang. Die ersteren gingen hierauf zum Sturme gegen die Höhen von Piski vor, während die Reiterei über die Brücke sprengte, um sich am rechten Strell-Ufer zur Attaque zu formiren. FML. Puchner zog seine Truppen kämpfend gegen Pad zurück und wurde von den Husaren heftig verfolgt. Nachdem aber die ungarische Cavallerie in einen Hinterhalt gerieth, aus welchem einige kaiserliche Compagnien ein mörderisches Salvenfeuer abgaben, eilte sie in grösster Unordnung gegen die Brücke zurück und riss das eigene Fuss- volk mit sich fort. Als mehrere Projectile in den Menschenknäuel an der Brücke einschlugen, wurde die Verwirrung eine allgemeine und in vollständiger Unordnung suchten sich die Ungarn nach Déva zu salviren. Bem, ausser sich über die Haltung seiner Truppen, sandte einen Ordonnanz-Officier den Fliehenden nach Dédács voraus, um den beiden dort aufgestellten Székler-Coinpagnien den Befehl zu überbringen, die Ausreisser aufzuhalten und einen Cordon zu ziehen, den bei Todesstrafe keiner überschreiten durfte. Diese Massregel ermöglichte die Erneuerung des Kampfes. Die Kaiserlichen mussten über den Strell zurück und schliesslich blieb nach einem überaus blutigen Handgemenge auch das Mauthhaus in den Händen der Ungarn. Der Verlust der österreichischen Truppen betrug Ü000, jener der Ungarn mindestens 1000 Mann. Bem blieb den Abend des 9. Februar auf dem Kampfplatze stehen und