Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs - Supplement (1892)
Kriegs-Chronik Oesterreich-Ungarns. Militärischer Führer auf den Kriegsschauplätzen der Monarchie. III. Theil. Der südöstliche Kriegsschauplatz in den Ländern der ungarischen Krone, in Dalmatien und Bosnien - Der Krieg in Ungarn 1848-1849
Der Krieg in Ungarn 1848 — 1849. 471 Hermannstadt. Stolzenburg. H ermannstadt an. Die Ueberlegenheit der kaiserlichen Artillerie und das Säumen Czetz’s zwangen ihn indessen, nach Gross-Scheuern zu retiriren, wo er eine vortrefflich gewählte Stellung bezog. In diesem Augenblicke trafen die Colonnen des Oberstlieutenants Czetz bei den Truppen Bern’s ein und dieser versuchte sofort einen neuen Angriff. Derselbe wurde von den Kaiserlichen aber auf allen Puncten abgeschlagen und der Kampf endete mit der regellosen Flucht der Ungarn gegen Salzburg (Vizakna), während welcher Bern mit wenigen zusammengerafften Streitkräften die ungestüm nachdringenden Sieger, nicht ohne Erfolg, aufzuhalten suchte. Erst bei Stolzenburg, wo er um 8 Uhr Abends anlangte, konnte Bem einen Theil seiner Truppen sammeln und mit denselben Stellung nehmen. Der Rest war aber bis Nagy-Selyk (Markt Schelken) geflohen und kehrte erst am folgenden Tage nach Stolzenburg zurück. Da FML. Puchner den Gegner durch mehrere Tage ganz unbehelligt liess, was in dem geringen Stande der kaiserlichen Truppen seine Erklärung fand, so konnte Bern nicht nur seine Streitmacht vollständig concentriren, sondern auch aus Mediasch und Maros-Vásárhely Munition herbeischaffen. Am 30. Januar rückte FML. Puchner zum Angriffe gegen Stolzenburg vor. Zwei Colonnen marschirten auf der Hauptstrasse, eine dritte operirte von Salzburg aus gegen die rechte, eine vierte von Kakasfalva gegen die linke Flanke Bern’s und eine fünfte, schwächere Colonne, hatte im Rücken des Gegners bereits die Höhen von Rusz (Reussen) besetzt. Um 2 Uhr Nachmittags entspann sich das Gefecht mit einer von beiden Seiten gleich lebhaften Kanonade. Bern suchte das Centrum aufzuhalten, während Czetz das bei Rusz stehende Detachement zum Verlassen seiner Aufstellung zwang und der ungarische linke Flügel die österreichische Umgehungs-Colonne wieder gegen Kakasfalva zurückdrückte. Auch die von Salzburg entsendete Colonne wurde von den Ungarn aufgehalten und bei einbrechender Nacht zum Rückzüge genöthigt, so dass Bern der beabsichtigten Umklammerung entgehen und am 31. Januar den Oberstlieutenant Kemény mit der Infanterie gegen Gross-Scheuern disponiren konnte. Er selbst wandte sich mit der Reiterei und der Artillerie zwischen Stolzenburg und Gross-Scheuern gegen die Flanke der Oesterreicher und nach einem unbedeutenden Vorpostengefechte bei