Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 6. (Neue Folge, 1892)
Hauptmann Hausenblas: Oesterreich im Kriege gegen die französische Revolution 1792 (Fortsetzung im VII. Bande)
!) Wie gut man in Frankreich mit Nachrichten über die Alliirten bedient war, zeigt eine im Moniteur am 28. Juni abgedruckte, aus Freiburg i. B. vom 16. Juni datirte vollkommene Uebersicht der von Oesterreich an den Rhein dirigirten Truppen mit genauer Angabe der Stände und der Marsch-Richtungen. Ebenso wusste man, dass die preussische Armee sich bei Coblenz sammeln werde. Auch hier machte sich die Thätigkeit des über ganz Mittel-Europa ausgebreiteten vaterlandslosen Illuminatenthums bemerkbar, welches ganz im Sinne und Dienste der Revolution wirkte. 2) Lafayette an Luckner vom 2. Juli 1792. (Lafayette, Mémoires III, 363.) französischerseits daran gedacht wurde, die Hauptmasse der Streitkräfte von dem Schauplatze ihrer bisherigen Thätigkeit abzurufen und in jene Räume zu dirigiren, von wo aus die drohende Invasion bekämpft werden konnte. Eine Fortsetzung der Offensive gegen Belgien blieb unter diesen Umständen zunächst ausgeschlossen und es musste jetzt genügen, dem Herzog von Sachsen-Teschen gegenüber nur so viele Truppen zurückzulassen, dass dieselben, gestützt auf die zahlreichen Festungen, allenfalls ein Eindringen der Oesterreicher in französisches Gebiet verhindern konnten. In Paris, wo die Bewegungen der gegen den Rhein marschiren- den Oesterreicher und Preussen sehr genau bekannt waren,1) wurde zwar der Entschluss gefasst, nicht nur die verfügbaren Kräfte der Nord- und Centrum-Armee der Invasion entgegenzuwerfen, sondern auch die Rhein-Armee bedeutend zu verstärken. Statt aber diese Absicht durchzuführen, wurde Alles, besonders gerne aber alle Verantwortung, den Generalen lind dem machtlosen Kriegsminister überlassen,2) während sich die Revolutionsführer und Demagogen nur vorbehielten, sich überall einzumischen und einzugreifen. Wie begreiflich, traten hiebei die verschiedenen politischen Anschauungen der französischen Generale alsbald in fast unlösbaren Gegensatz. Lafayette, dem die gehoffte innerpolitische Rolle zunächst am Herzen lag und der in seinen Memoiren stets von dem Bestreben, den König zu retten, spricht, wünschte mit der ihm anvertrauten Armee möglichst nahe an Paris zu bleiben, was unmöglich war, wenn er als Commandant der Centrum-Armee etwa an die Mosel hätte abrücken müssen. Er wusste es nun bei seinen Freunden in Paris durchzusetzen, dass ihm das Commando der Nord-Armee übertragen wurde, während Luckner nebst dem Commando der Centrum-