Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 6. (Neue Folge, 1892)

Hauptmann Hausenblas: Oesterreich im Kriege gegen die französische Revolution 1792 (Fortsetzung im VII. Bande)

82 Ha usen h las. Lafayette, dessen Anhänglichkeit an das Princip einer consti­tutioneilen Monarchie als gewiss galt, erschien als der einzig mögliche Führer dieser Gegenbewegung, aber der schwache, eitle Mann besass hiezu nicht die nöthige Thatkraft und fand auch in der Schwäche und Nachgiebigkeit des Königs, wie in dem Misstrauen der Königin gegen seine Person x) wesentliche Hindernisse für jede, auf die Rettung des Königthums abzielende That. Die Partei der Feüillants drang in Lafayette, die Verfassung zu schützen; er selbst wollte, nachdem er sich seiner Volksthüm- lichkeit versichert glaubte, nun sich und seine Partei, die so viel bereits zur Untergrabung des königlichen Ansehens gethan, doch auch als möglichst loyal und königstreu erscheinen lassen. Er that einen gewagten Schritt. Am 23. Juni führte er die Armee von Bavay wieder in ihre frühere Stellung zurück, die Vorhut nach Glisuelle, das Gros unter die schützenden Kanonen von Maubeuge,2) besprach sich mit Luckner, der ihn warnte seinen Kopf nicht auf das Spiel zu setzen und reiste am 26. Juni, nur von einem Adjutanten begleitet, nach Paris ab.3) Am 28. Juni erschien er in der National-Versammlung und forderte in glänzender Rede die Bestrafung der Anstifter der am 20. Juni in den Tuile- rien begangenen Verbrechen und Gewaltthätigkeiten, die Unschäd­lichmachung einer Partei, welche sich die Souveränität der Nation anmasse und das Volk tyrannisire, sowie das Ergreifen energischer Massregeln zum Schutze der Verfassung und des Königs. Einen Moment laug hatte es den Anschein, als ob Lafayette die Mehrheit der National-Versammlung für sich gewonnen habe, doch nützte er die Gunst des Augenblicks nicht aus, um eine für das Königthum günstige Beschlussfassung zu erzielen. Die republi­kanischen Parteien erkannten die drohende Gefahr sofort und !) Weiss, VII, 758. 2) K. A. 1792; VI. 131. Diese Bewegung war schon vor den Ereignissen des 20. Juni von Lafayette geplant und sollte den Zweck haben, die bei Mons stehenden Oesterreicher zu einer Bewegung nach links zu veranlassen, um sie mehr von Tournay zu entfernen. (Lafayette, Mémoires. Ill, 333.) Jetzt wurde deren Ausführung beschleunigt und hatte nun auch den Zweck, während der Ab­wesenheit Lafayette’s die! Armee in einer geschützteren Stellung zu haben, als dies bei Bavay der Fall war. 3) Das Armee-Commando übernahm einstweilen General d'Angest.

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