Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 5. (Neue Folge, 1891)

Kriegs-Chronik Oesterreich-Ungarns. Militärischer Führer auf den Kriegsschauplätzen der Monarchie. III. Theil. (Fortsetzung). Der südöstliche Kriegsschauplatz in den Ländern der ungarischen Krone, in Dalmatien und Bosnien

306 Der Krieg gegen die Türken 1788—1791. Dies brachte den Oberbefehlshaber zu dem Entschlüsse, die Belagerung von Belgrad, zu welcher die Dispositionen ohnehin schon ertheilt worden waren, zu beschleunigen. Er selbst traf in Boljevci ein und liess sofort mit der Herstellung einer Schiffbrücke unweit Ostruznica beginnen, welche aber erst in den Morgenstunden des 11. September vollendet werden konnte. Mit Tagesanbruch des 12. rückten die Kaiserlichen in zwei Colonnen gegen Belgrad vor. Die erste unter dem G. d. C. Kinsky marschirte aus der Stellung bei Ostruznica über Zeleznig und Zarkowo auf den RepiSe-Berg v vor Belgrad, die zweite unter dem FML. Waldeck von Zeleznig über Knezevac gleichfalls auf den Repise-Berg. Aus der Stellung auf dem Repise setzten sich die Truppen gegen das Plateau von Dedina in Bewegung, das am Abende vollständig von ihnen besetzt war. In der Nacht auf den 12. wurde gegenüber der Zigeuner- Insel der Bau eines Brückenkopfes und die Herstellung einer zweiten Schiffbrücke begonnen. Beide Arbeiten gelangten am 13. September zur Vollendung. An diesem Tage stiessen die letzten Truppenkörper zu der vor Belgrad concentrirten Armee und FM. Laudon unternahm eine eingehende Recognoscirung des Platzes. In der Nacht auf den 15. September begannen 2500 Arbeiter an der Mündung der Dunavica eine Redoute für sechs Feldgeschütze und längs der Donau gegen Sémiin einen Laufgraben anzulegen, der die Bewegung der türkischen Tschaiken auf dem Strome hindern sollte. Während dieser Vorbereitungen rückte die auf dem Dedina lagernde Armee in die noch ganz gut erhaltenen Linien, die einst der Prinz Eugen von Savoyen vor Belgrad angelegt hatte. Zur besseren Verbindung mit Sémiin wurden an der Westspitze der Kriegs-Insel Brücken über die Save und ausser diesen noch eine Schiffbrücke unterhalb Belgrad über die Donau geschlagen. Ueber die letztere rückte FZM. Clerfayt, welcher angewiesen worden war, mit den entbehrlichen Truppen durch die Almás nach Pancsova zu marschiren, am 18. September zur Armee ein. Als FM. Laudon, der seit dem 16. September Belgrad mit grossem Erfolge be- schiessen und in der darauffolgenden Nacht mit der Aushebung der Laufgräben beginnen liess, erfahren hatte, dass alle Meldungen über den Anmarsch eines feindlichen Entsatz-Heeres grundlose Ge­rüchte gewesen seien, konnten die Dispositionen zum Sturm auf die Vorstädte getroffen werden. Anhaltendes Regenwetter ver-

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