Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 5. (Neue Folge, 1891)
Kriegs-Chronik Oesterreich-Ungarns. Militärischer Führer auf den Kriegsschauplätzen der Monarchie. III. Theil. (Fortsetzung). Der südöstliche Kriegsschauplatz in den Ländern der ungarischen Krone, in Dalmatien und Bosnien
290 Der Krieg gegen die Türken 1788 — 1791. Bukovica. Dunán. HassanPaschaPalanka. dem Innern der Monarchie gezogen. Auch die Garnison von Bel- grad hatte Verstärkungen erhalten und die Folge davon war, dass die Zahl der Scharmützel und Zusammenstösse sich bedeutend ver- grösserte. Am 15. Juni näherten sich einige feindliche, stark bemannte Tschaiken dem linken Ufer der Save, um auf diesem Fourage einzubringen, büssten aber bei diesem Unternehmen eine Tschaike, die in Grund geschossen wurde und mehrere, voreilig ausgeschiffte Soldaten ein. Drei Tage später überschifften ungefähr 100 Türken nach der sogenannten Save-Spitze, geriethen in einen von den kaiserlichen Vorposten gelegten Hinterhalt und verloren mehr als 30 Mann. Am 20. Juni wurden die zum Schutze der Stellung bei Sémiin angelegten Verschanzungen fertiggestellt und gegen 300 Geschütze, theilweise des schwersten Calibers, in dieselben eingeführt, vier Bataillone zur Bewachung des Retranchements und drei andere zu deren Reserve bestimmt. Ueber diese sieben Bataillone erhielt der FML. Graf Clerfayt den Oberbefehl. Im Laufe des Monats Juni stieg der Krankenstand der kaiserlichen Haupt-Armee bis auf 12.000 Mann, indem sich zu den schon herrschenden Fiebern noch eine besonders heftig auftretende Ruhr gesellte. Der Kaiser beorderte desshalb zehn Bataillone und zwei Artillerie-Compagnien als theilweisen Ersatz aus dem Innern der Monarchie nach Sémiin. Auch im Laufe des Monats Juni blieb die Haupt-Armee vollkommen unthätig. Dafür fügte das von dem Major Mihalievich organisirte, 3000 Mann starke serbische Frei-Corps durch unaufhörliche Streifungen und Ueberfälle den Türken empfindlichen Schaden zu. So überfielen am 1. Juli 100 Mann unter dem Fähnrich Vuka- dinovich in den Dörfern Bukovica und Dunán (an der Drina) 150 Feinde, tödteten davon über 100, nahmen zehn der vornehmsten gefangen und kehrten mit einer überaus reichen Beute nach Zäbres zurück. Als Major Mihalievich in Erfahrung gebracht hatte, dass, um der Auswanderung der Serben zu steuern, ein Pascha in Hassan-Pascha-Palanka eingetroffen sei, entschloss er sich, mit 1000 Mann nach diesem Orte aufzubrechen und den Pascha entweder zu vertreiben oder aufzuheben. In der Nacht auf den 11. Juli erschien Mihalievich vor Hassan-Pascha-Palanka, griff den Flecken bei Tagesanbruch an, tödtete darin viele Türken, steckte die Gebäude