Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 5. (Neue Folge, 1891)
Kriegs-Chronik Oesterreich-Ungarns. Militärischer Führer auf den Kriegsschauplätzen der Monarchie. III. Theil. (Fortsetzung). Der südöstliche Kriegsschauplatz in den Ländern der ungarischen Krone, in Dalmatien und Bosnien
246 Der erste Krieg- Kaiser Karl VI. gegen die Türken 1716—1718. Temesvár. da die türkische Reiterei von der kaiserlichen abgedrängt worden und FM. Pálffy bereits in den Besitz der feindlichen Wagenburg und des Lagers gelangt war. Um 12 Uhr Mittags war der Sieg, der die Kaiserlichen in den Besitz des ganzen feindlichen Lagers mit reichen Yorräthen brachte, entschieden. Unter den Trophäen befanden sich 172 Geschütze, 156 Fahnen, 5 Rossscbweife und 3 Paar Pauken. Der Feind hatte an Todten über 6000 Mann, darunter den Grossvezier verloren, während auf kaiserlicher Seite die Zahl der Todten und Verwundeten kaum 3000 Mann betragen mochte. Unter den Todten befanden sich die FML. von der Lancken und Wellenstein, der GFWM. Hoensbroeck, fünf Obriste und der General-Adjutant Johann Graf Pálffy, unter den Verwundeten der FML. Graf Bonneval, die GFWM. O’Dwyer, Schilling und vier Obriste. Prinz Eugen, der von der feindlichen Haupt-Armee vorläufig nichts weiter zu besorgen hatte, fasste den Entschluss, die künftigen Winterquartiere durch die Einnahme von Temesvár zu sichern, durch welche auch Ober-Ungarn besser gedeckt, die Verbindung mit Siebenbürgen erleichtert und die in Aussicht genommene Belagerung von Belgrad wesentlich gefördert wurde. FM. Graf Pálffy erhielt den Befehl, mit einem starken Cavallerie-Corps sogleich aufzubrechen und Temesvár einzuschliessen. Am 14. August setzte sich die Armee in Marsch und traf, nachdem die Theiss bei Zenta passirt worden, bei Temesvár ein. Dieser Platz war, wenn auch nicht regelmässig, doch stark befestigt und ausserdem durch fast unpassirbare Moräste geschützt. Die Festung bestand aus vier Theilen, der grossen Palanka (Vorstadt), der eigentlichen Stadt, dem Schlosse und der südlich von diesem gelegenen Insel oder kleinen Palanka. Das Schloss lag auf dem linken Ufer der Bega und durch diesen Fluss von der Stadt getrennt, welch’ letztere von starken Mauern und doppeltem Graben umgeben war. Prinz Eugen von Savoyen richtete seinen Angriff gegen die Nordfront der Festung, während die Südseite, wo die Annäherung eines Entsatz- Heeres erwartet werden musste, von der Reiterei umschlossen wurde. In der Nacht vom 1. zum 2. September wurde mit der Aushebung der Laufgräben und damit, der Belagerung der letzten grösseren türkischen Festung auf ungarischem Boden begonnen. Am 6. September nahmen mehrere Belagerungs-Batterien bereits das Feuer