Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 5. (Neue Folge, 1891)

Major Duncker: Militärische und politische Actenstücke zur Geschichte des ersten schlesischen Krieges 1741 (Schluss im VI. Band)

dem Kriegs-Corps in Bewegung und allbereits zwei Märsche von dannen sei, sich nicht aufhalten können“ etc. Als eine kleine Entschädigung für die durch die englischen Diplomaten sich immer ungünstiger gestaltenden politischen Ver­handlungen konnte FM. Neipperg am 4. August dem Grossherzoge *) In einer Audienz, welche der englische Special-Gesandte Lord Hyndford am 22. Juli bei dem König Friedrich II. gehabt, hatte der letztere im Principe eine Abfindung nach der Seite der Niederlande nicht abgelehnt, jedoch sehr hohe Forderungen auch nach dieser Seite hin gestellt. Dies war dem eifrigen britischen Unterhändler Sir Thomas Robinson in Wien durch Hyndford zur Kenntnis gebracht worden. Von seinem Hofe hiezu schon früher bevollmächtigt, erlangte Robinson am 31. Juli zu Pressburg die Ermächtigung, mit Rücksicht auf Abtretungen ausserhalb Schlesiens, dem König Friedrich II., unter englischer Vermittlung, die folgenden Vorschläge zu machen: 1. Verzicht auf jegliche Schadloshaltung Seitens der Königin. 2. Die Königin verlangt die zwei Millionen, welche gelegenheitlich der Verhandlungen im December 1740 Seitens Preussens angeboten wurden, nicht. 3. Sie bietet im Gegentheil zwei Millionen an, zahlbar nach Ueber- einkunft, 4. Cession des österreichischen Geldern. Dagegen wird verlangt: 1. Die Rrandenburgische Stimme für den Grossherzog. 2. Für die Königin die Wahrung der böhmischen Kurstimme. 3. Dass der König von Preussen in die Defensiv-Allianz-Tractate der Jahre 1731 und 1732 auf gleiche Weise wie die Königin und der König von England eintrete. Der eventuelle Vertrag wäre von Gross-Britannien-Hannover, Russland, Sachsen und den Generalstaaten zu garantieren. Im Falle König Friedrich II. mit diesen Propositionen nicht einverstanden sein sollte, hatte Robinson im äussersten Nothfalle noch Erlaubnis, das Herzogthum Limburg anzubieten. In der Note, die Robinson am 31. Juli in dieser Angelegenheit übergeben wurde, ward jedoch die englische Hilfsleistung auf’s neue als ein Mittel urgiert, der Negotiation mehr Gewicht zu geben. (H. H. u. St. A. Correspondenz des österr. Cabinets und des Grafen Sinzendorff mit dem englischen Gesandten Robinson, Z. III, 21; Note vom 31. Juli 1741 an Robinson.) Robinson reiste am 31. Juli von Pressburg über Wien nach Schlesien ab und kam am 3. August in Breslau an. Am 7. August fand im Lager bei Strehlen dessen Audienz statt, welche ganz resultatlos verlief. König Friedrich II. verwarf die Vorschläge des österreichischen Cabinets gänzlich und erklärte auf das Entschiedenste, er verlange ganz Nieder-Schlesien mit Breslau (II. H. u. St. A. Memoire vom 17. August remis par M. de Robinson.) Vergl. auch Arneth I, pag. 239, Grünhagen, >1. schles. Krieg«, 1. pag. 423 u. ff.; Raumer, »Beiträge zur neuern Geschichte« II, pag. 139 u. ff.

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