Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 5. (Neue Folge, 1891)

Major Duncker: Militärische und politische Actenstücke zur Geschichte des ersten schlesischen Krieges 1741 (Schluss im VI. Band)

Zur Geschichte des ersten schlesischen Krieges. 239 Diese neuerlichen Nachrichten aus Breslau, welche zu Ende des Monats Juli im österreichischen Hauptquartier einliefen, sind insofern wichtig und interessant, als sie nachweisen, welche Mittel angewendet wurden, um die wohlhabende und im Allgemeinen gut österreichisch gesinnte Bürgerschaft der Landeshauptstadt in das preussische Interesse zu ziehen. WieindenDecembertagen des Jahres 1740, als es sich darum handelte, königlich ungarisch-böhmische Truppen als Besatzung in die Stadt zu nehmen und diese dadurch der Königin Maria Theresia zu erhalten,1) ein preussischer Agitator, der Schuster Dublin, dies durch Aufwiegelung der untersten Volks­schichten und einen geschickt inscenirten Terrorismus zu verhindern gewusst2) so trat jetzt ein anderer, weit fähigerer Agent des Königs auf, um mit allen Mitteln Propaganda für die Aufhebung der Neu­tralität und den Anschluss an Preussen zu machen. Salomon Jacob Morgenstern, sogenannter Hofgelehrter unter König Friedrich Wilhelm I., ein Mann von nicht gewöhnlichem Verstand und Wissen, war im Jahre 1741 der preussischen Administrationsbehörde, dem Feld-Kriegs-Commissariate in Breslau, attachiert worden. König Friedrich II. theilte ihm hier die Rolle eines Kundschafters und eines für das preussische Interesse thätigen politischen Agenten zu. Unter dem Namen eines Doctor Freyer schaffte er den durchaus nicht preussenfreundlichen Gesinnungen der besitzenden Classe, durch seine Verbindungen, besonders in den Kreisen der Zünfte, ein nicht unbedeutendes Gegengewicht.3) Morgenstern’s Dienste in dieser Stadt, ebenso wie seine Be- *) *) Siehe: »Die Invasion Schlesiens« etc. in »Mittheilungen des k. k. Kriegs-Archivs« 1885, pag. 42 und 65. 2) »Ihr wisset von Selbsten, was es vor Mühe gekostet, um zu ver­hindern, dass anfänglich diese Stadt keine österreichische Garnison einge­nommen.« König Friedrich II. an FM. Schwerin (undatirt [Ende Juli 1741] »Polit. Correspondenz«, I, Nr. 444, pag. 291.) — »Von Glogau werden wir nach Breslau eilen, oú j’espére de trouver des intelligences.« Milkau, 20. December 1740. König Friedrich II. an Graf Algarotti. »Oeuvres«, T. XVIII, pag. 27. 3) »Da Ich auch eine grosse Partie wohlgesinnter Bürger in der Stadt habe, so sollet Ihr Euch des p. Morgenstern bedienen, damit derselbe in seinem bisherigen Tramiren continuire und unter dem Namen des Dr. Freyers die Mir affectionirte Bürger in guten Gedanken und Neigung gegen mich conser- vire.« König Friedrich II. an FM. Schwerin, undatirt [Ende Juli 1741], »Politische Correspondenz« I, Nr. 444. pag. 292.

Next

/
Oldalképek
Tartalom