Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 5. (Neue Folge, 1891)
Hauptmann Hausenblas: Oesterreich im Kriege gegen die französische Revolution 1792 (Fortsetzung im VI. Bande)
18 Hausenblas. Lyon Vordringen und eine spanische Armee die Pyrenäen überschreiten. *) Auf das Mass der Kräfte, welche zu dem bevorstehenden Kriege verwendet werden sollten, waren die Verbindungen, die von Wien und Berlin aus noch mit den Tuilerien bestanden, sowie die schlechte Meinung, die man über die französische Armee hatte, Von grossem Einflüsse. Noch immer lag der Gedanke ferne, dass es den terroristischen Gewalten der Revolution gelingen könne, den Krieg zu einem Kriege ganz Frankreichs zu machen, man rechnete vielmehr darauf, dass es sich nur darum handle „die in Frankreich herrschende Partei zu bekämpfen und der unterdrückten Partei die Hand zu bieten.“ '2) Der Uebertritt eines grossen Theiles der französischen Armee, namentlich der Cavallerie, wurde für wahrscheinlich gehalten, ebenso, dass die meisten festen Plätze beim Annähern der Verbündeten ihre Thore freiwillig öffnen würden. Diese Unterschätzung des Gegners und die unzureichende Beur- theilung der Lage und Zeit überhaupt waren Ursache, dass Oesterreich, wie Preussen mit durchaus nicht genügenden Kräften das Unternehmen begannen. Oesterreich stellte zu dem bevorstehenden Kriege ausser den 53.000 Mann in den Niederlanden nur noch 50.000 Mann auf, denen eine preussische Armee von gleichfalls 50.000 Mann und wie man hoffte, noch eine russische in gleicher Stärke nebst Contingenten der übrigen Mächte zur Seite stehen sollten. Den Zeitpunct zum Beginne des Krieges hatte man in Wien selbst bestimmen zu können geglaubt und hoffte noch Mitte April genügend Zeit zu haben, die diplomatischen Verhandlungen, welche die Vereinigung und Mitwirkung der Mächte Europas bezwecken sollten, zum Abschluss bringen zu können. „Erst nach an Ort und Stelle versammelten allseitigen Armeen“ schreibt Kaunitz noch am 21. April an die auswärtigen Gesandtschaften und Missionen „nach der erst sodann an Frankreich erlassenen gemeinsamen Declaration zur gütlichen Vermittlung“ sollte zu den Waffen gegriffen werden. 3) ') Memoire des Herzogs von Braunschweig K. A. 1792, II, 10'L. 2) K. A. 1792, II, IO1/*. 3) Circular-Erlass des Fürsten Kaunitz an sämmtliche k. k. Gesandtschaften und Missionen. Vivenot II. 5.