Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 4. (Neue Folge, 1889)

Kriegs-Chronik Oesterreich-Ungarns. Militärischer Führer auf den Kriegs-Schauplätzen der Monarchie. III. Theil (Fortsetzung): Der südöstliche Kriegs-Schauplatz in den Ländern der ungarischen Krone, in Dalmatien und Bosnien

Feldzug 1698. 175 Kovil wieder auf, passirten den Morast von Vilova, der erst gangbar gemacht werden musste, und lagerten am 2. September in der Gegend des heutigen Perlasz. Der Prinz glaubte, der Grosswesir werde sich durch die Bedrohung von Temesvár zur Offensive bestimmen lassen und bezog am 14. September ein Lager unmittelbar bei Nagy- Becskerek. Hier erhielt er die Nachricht, dass der Feind seine Flottille auf der Save zurückgezogen und bei Visnjica eine Brücke über die Donau geschlagen habe. Am 15. September Hess der Prinz den Obristen Paul Deák demonstrirend bis unter die Geschütze der Festung Temesvár Vorgehen. Deák verjagte eine türkische Ab­theilung, welche das weidende Schlachtvieh zu bewachen hatte, und trieb mehr als 2000 Stück Vieh mit sich fort. Auf dem Rückmärsche wurde er aber von 2000 Spahis eingeholt, welche ihm sieben Mann tödteten und die ganze Beute wieder abnahmen. Als Kundschafter gemeldet hatten, dass der Grosswesir einen grossen Convoi gegen Temesvár in Marsch gesetzt habe, rückte der Prinz in der Absicht, sich dieses Transportes zu bemächtigen, am 18. September mit einem Theile der Reiterei und acht Geschützen über Párdány und Szent-Márton gegen Temesvár vor. Er traf am 19. vor dieser Festung ein und fand seine Avantgarde unter Deák in ein heftiges Gefecht gegen überlegene feindliche Streitkräfte verwickelt. Eugen ging mit seinen Truppen sofort zur Attaque über und warf den Feind bis unter die Mauern der Festung zurück. Seine Absichten auf den Convoi waren jedoch vereitelt worden, da der Gegner durch einen ungarischen Ueberläufer von den Intentionen der Kaiserlichen Kenntniss erhalten und danach seine Vorkehrungen getroffen hatte. Während jenseits der Theiss die Haupt-Armee vergeblich be­müht war, den Grosswesir zum Aufgeben der Defensive zu bewegen, unternahm GFWM. Graf Forgách mit den croatischen National- Truppen einen Streifzug über die Save. Er drang im September bis Bihac vor, von wo er viele Gefangene wegführte, musste aber, nachdem ihm reguläre Truppen fehlten, Anfangs October wieder gegen Dubica zurückgehen. Da die Friedensvorverhandlungen inzwischen eine bestimmtere Gestalt gewannen, führte der Prinz von Savoyen am 5. October die Armee von Becskerek fort und Hess sie bei Zsablya, jedoch am linken Ufer der Theiss, ein Lager beziehen. Der Tataren-Khan Selim Gerai, unzufrieden mit der Passivität des Grosswesirs, ging Temesvár.

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