Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 4. (Neue Folge, 1889)

Kriegs-Chronik Oesterreich-Ungarns. Militärischer Führer auf den Kriegs-Schauplätzen der Monarchie. III. Theil (Fortsetzung): Der südöstliche Kriegs-Schauplatz in den Ländern der ungarischen Krone, in Dalmatien und Bosnien

Temesvár. in Ofen an und traf die nöthigen Dispositionen zum Vormarsche gegen Temesvár. Da es an Schiffleuten für die Weitertranspor­tirung der bereits verladenen Geschütze, an Fuhrwerken, an Verpflegungsartikeln und wie gewöhnlich an Geld fehlte, verging indessen geraume Zeit bis zum thatsächlichen Antritte der Marsch­bewegung. Der Marsch selbst erfolgte ausserdem mit solcher Lang­samkeit, dass die Armee erst bei Szegedin eintraf, als der Sultan mit der seinigen bereits in Nisch angekommen war. Mehrere kaiserliche Generale riethen von einer Belagerung ab, die der Feind voraussichtlich zu stören versuchen würde, blieben aber mit ihrer Ansicht unbeachtet. Am 28. Juni liess der Oberbefehlshaber Kriegsrath halten und begab sich unmittelbar nach demselben mit einem aus 5000 Reitern und 2000 Husaren bestehenden Detachement gegen Temesvár voraus, um diese Festung selbst zu recognosciren. Am 1. Juli stand der Kurfürst vor dem Platze, besichtigte denselben und schlug die ausgefallenen türkischen Truppen so energisch zurück, dass diese seinen Rückzug nicht zu beunruhigen wagten. Gefangene, welche die kaiserlichen Reiter eingebracht hatten, sagten aus, dass Temesvár von 10.000 Mann, theils Janitscharen, theils Arnauten, besetzt und mit Vorräthen jeder Art reichlich versehen sei. Da ein türkisches Coi’ps unter Dschafar Pascha Titel be­drohte, welches die Kaiserlichen ohne Kampf wieder in Besitz ge­nommen hatten, erhielt General Heissler den Befehl, dem daselbst stehenden FML. Truchsess einige Regimenter zuzuführen und die dortige Garnison mit Proviant und Munition zu versehen. Gleich­zeitig wurde der in Siebenbürgen commandirende General Graf Bussy- Rabutin angewiesen, mit seinen bei Dobra befindlichen Truppen gegen Arad aufzubrechen und um ihn im Commando zu ersetzen, ward der GFWM. Graf Herbeville nach Siebenbürgen gesendet. Kaum war die kaiserliche Haupt-Armee bei Temesvár eingetroffen, als aus Peterwardein die Meldung ein lief, dass Mustapha II. mit 60—80.000 Mann an der Donau angelangt sei und Anstalten treffe, den Strom bei Pancsova zu passiren. Auf diesen Bericht hin liess der Kurfürst das Corps bei Titel durch zwei weitere Regimenter unter GFWM. Graf Guido Starhemberg verstärken und die Belagerung von Temesvár, das er ein zweitesmal recognoscirt hatte, eröffnen. Am 12. August wurden die Laufgräben 6 bis 700 Schritte von der Schloss-Palanka ausgehoben und am nächsten

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