Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 4. (Neue Folge, 1889)

Kriegs-Chronik Oesterreich-Ungarns. Militärischer Führer auf den Kriegs-Schauplätzen der Monarchie. III. Theil (Fortsetzung): Der südöstliche Kriegs-Schauplatz in den Ländern der ungarischen Krone, in Dalmatien und Bosnien

Titel. Lugos. die Nachricht einlangte, die türkische Besatzung von Belgrad habe Titel cernirt, liess der Kurfürst, das Corps Yeterani’s in unverant­wortlicher Weise preisgebend, die Operationen an der Maros ein­stellen und am 16. September den Rückmarsch gegen Csanád an- treten. Mittlerweile hatte der Feind aber Titel erobert und Musta- pha II., dem der Rückzug der kaiserlichen Hauptarmee nicht ver­borgen geblieben war, fasste den Entschluss, gegen das nun voll­ständig isolirt bei Lugos stehende Corps Veterani’s vorzubrechen und es zu vernichten. Die einsichtsvollen Vorstellungnn FZM. Heister’s im Kriegsrathe konnten nur so viel erreichen, dass GFWM. Cor- belli mit fünf Regimentern zur Unterstützung Veterani’s gegen Jenő und General Graf Guido Starhemberg mit einem Theile des Fussvolkes gegen Peterwardein voraus gesendet wurde. Als durch Kundschafter nach wenigen Tagen die Nachricht einlangte, dass die Türken Titel freiwillig wieder aufgegeben hätten, wurden die ertheilten Befehle dahin abgeändert, dass Starhemberg mit der Infanterie zwar gegen Szegedin marschiren sollte, die übrigen Truppen aber unter dem Befehle des Kurfürsten beisammen zu bleiben und zur Unterstützung Veterani’s aufzubrechen hätten. Leider gelangten diese Dispositionen erst am 21. September zur Ausführung. Um Veterani in seiner schwach verschanzten Stellung bei Lugos festzuhalten, erschienen bereits am 20. September Tataren­schwärme scharmützelnd vor dem kaiserlichen Lager und am fol­genden Tage wurde das letztere von der ganzen feindlichen Armee eingeschlossen und angegriffen. Die kaiserlichen Truppen leisteten in dem ungleichen Kampfe heroischen Widerstand und fanden bis auf 3000 Reiter, welche FML. Truchsess nach Siebenbürgen rettete und einige wenige Gefangene den Heldentod. FM. Veterani, in den vordersten Reihen kämpfend, wurde am Kopfe, an der Brust und am Arme schwer verwundet und in Folge des Blutverlustes fast bewusstlos in einen Wagen gelegt, mit welchem man ihn nach Karansebes in Sicherheit zu bringen suchte. Leider aber blieb das Fuhrwerk in einem Sumpfe stecken und der schwerblessirte Feld­marschall musste auf ein Pferd gehoben und auf demselben von zwei Cürassieren festgehalten werden. Die Flüchtenden wurden von den nachsetzenden feindlichen Haufen ereilt und zersprengt, Graf Veterani aber verschwand im Getümmel, ohne dass die Art seines Todes bekannt geworden wäre.

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