Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 4. (Neue Folge, 1889)
Kriegs-Chronik Oesterreich-Ungarns. Militärischer Führer auf den Kriegs-Schauplätzen der Monarchie. III. Theil (Fortsetzung): Der südöstliche Kriegs-Schauplatz in den Ländern der ungarischen Krone, in Dalmatien und Bosnien
die Contingente auswärtiger Fürsten erfolgen. Der Kurfürst Friedrich August von Sachsen, ein eitler, der Eigenschaften eines Feldherrn gänzlich entbehrender Mann, zeigte sich erbötig, 8000 Mann nach Ungarn zu senden, wenn ihm dafür der Oberbefehl über die gegen die Türken operirende kaiserliche Armee übertragen würde. Leopold I. konnte eine so ansehnliche Unterstützung nicht entbehren und ging, obwohl er in die Fähigkeiten des Kurfürsten kein Vertrauen setzte, auf dessen Vorschlag ein, indem er mit Friedrich August zu Laxenburg einen Bündnissvertrag abschloss. Als militärischer Rathgeber wurde dem Kurfürsten zwar der alte FM. Graf Caprara an die Seite gestellt, dieser blieb aber gegenüber den zahlreichen sächsischen Höflingen, welche den neuen Oberfeldherrn umgaben und beherrschten, ohne jeden Einfluss. Die kaiserliche Haupt-Armee sammelte sich Anfangs August bei Peterwardein und zählte ohne die National-Truppen 50.000 Mann, hievon 38.000 Kaiserliche, 8000 Sachsen und 4000 Dänen. Als Reserve wurden unter GFWM. Schlik einige Regimenter bei O-Kanizsa belassen und FM. Veterani erhielt den Auftrag, durch eine Aufstellung an der Theiss und Maros Siebenbürgen zu decken. Der Kurfürst wollte den Feind im befestigten Lager bei Peterwardein erwarten und, im Falle eines Sieges über denselben, gegen Temesvár operiren, da an einen Angriff auf Belgrad des fehlenden Belagerungsgeschützes wegen nicht zu denken war. Um dieselbe Zeit wie die kaiserliche, sammelte sich auch die 50.000—60.000 Mann starke türkische Armee in der Nähe von Belgrad, wo am 10. August Sultan Mustapha II. eintraf und Peterwardein und das dort befindliche Lager sogleich recognosciren liess. Die starke Position der Kaiserlichen und die Erfahrungen, welche der zwecklose Kampf im Vorjahre ergeben hatte, bewogen den Sultan, den beabsichtigten Angriff auf Peterwardein zu unterlassen und dafür bei Pancsova eine Brücke zu schlagen, über welche er die Armee am 25. August auf das linke Ufer der Donau führte. Seine Intention ging nun dahin, Lippa und Grosswardein zu erobern oder wenigstens Ober-Ungarn zu verheeren und dann über Siebenbürgen und die Walachei den Rückmarsch zu bewirken. Der Stromübergang des Feindes nöthigte den Kurfürsten von Sachsen sich mit der Armee an die Marós zu ziehen und seine Vereinigung mit FM. Veterani zu bewirken, um gemeinschaftlich