Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 4. (Neue Folge, 1889)
Hauptmann Kulnigg: Die Römer im Gebiete der heutigen österreichisch-ungarischen Monarchie. Erläuterungen zu einer Uebersichtskarte
regenerirend im Leben des grossen römischen Reiches sich bemerkbar machte. Zunächst aber waren es doch die eroberten Länder, welche die bessere Gabe vom Sieger empfingen, römische Cultur wurde doch überall, auch in Noricum und Pannonien, zum Mittel der Neubelebung und Neugestaltung, der Entwicklung und des Aufblühens. Von mächtigem Einflüsse waren dabei die religiösen Ideen, deren Träger und Verbreiter in den Donau-Ländern, wohl ohne zu wissen, welchen Zwecken sie dienten, die römischen Garnisonen waren. Mit grossem Erfolge drang durch sie besonders der eigenartige Mithras-Cult in das ansässige Volk wie in die römischen Eingewanderten, jener Sonnencult, dem Orient entstammend, der dem römischen Staatsgedanken jener Zeit, der schrankenlosen Omni- potenz der Staatsgewalt, deren einziger wirklicher Vertreter der herrschende Imperator war, so ganz entsprach. In der Sonne kündete er das Licht, die Allwissenheit, den Schützer der Wahrheit, den Sieger über das Böse und weltklug schuf dieser Glaube einen irdischen Repräsentanten des allgewaltigen, alleinherrschenden Lichtes, eine Incarnation desselben in dem Herrscher des Reiches. Ein solcher Cult musste naturgemäss den römischen Soldatenkaisern hoch willkommen sein, um ihre Truppen fest und unauflöslich an sich zu ketten. Eine grosse Anzahl von Tempelresten der Mithrasverehrung in den Städten und Lagern, wie in Aquincum (Ofen), Carnuntum (Petronell-Altenbui’g), Scarabantia (Oeden- burg), Donati-Berg bei Poetovio (Pettau), Celeja (Cilii) u. a. m., stammt aus der Zeit, da die römische Armee in den Donau-Ländern durch die Kaiser einen gewissen Vorrang vor den Armeen in anderen Gebieten Roms gewann. Aber auch das Christenthum fand in den Donau-Ländern seine ersten Bekenner unter den römischen Soldaten. Manche Aeusser- lichkeit des Mithrasdienstes liess sich vereinen mit dem Christenglauben und viele Zaghafte fanden so einen gewissen äusseren Schutz, um wenigstens ungefährdet ihren Glauben hinüberzuretten über die einbrechenden Verfolgungen. Mancher römische Soldat aber trat auch standhaft ein für Christus und erlitt muthig den Märtyrertod. Das Alles trug mächtig zur Verbreitung christlicher Lehre in den Ländern im Donau-Gebiete bei. 60