Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 4. (Neue Folge, 1889)
Hauptmann Kulnigg: Die Römer im Gebiete der heutigen österreichisch-ungarischen Monarchie. Erläuterungen zu einer Uebersichtskarte
Die Körner im Gebiete der heutigen österr.-ungar. Monarchie. 279 Westlich von Bistue nova (Gorazda) zweigte eine Strasse über Rogatica—Uzice—Pozega ostwärts ab, welche sich im Morava- Thal mit der grossen Strasse Semendria—Mitrovica—Allessio vereinigte. Die dritte Strasse, welche wenigstens theilweise durch das heutige Bosnien und die Hercegovina ging, ist die Strasse, die von Salona (Spalato) nach Narona (Vid) führte, von hier nach Scodra (Scutari) und Dyrrhachium, anschliessend an die Strasse, welche Dyrrhachium mit Thessalonich und Constantinopel verband. Spuren der einstigen römischen Herrschaft sind bis zum heutigen Tage erhalten geblieben in Resten römischer Heerstrassen, Ruinen, dem Thurme von Livno, den Bädern von Banjaluka und Yisegrad, Grabdenkmälern, Münzen, hauptsächlich aber in zahlreichen Inschriften. Aus diesen Ueberresten lässt sich auch hier mit Hilfe des Itinerarii Antonini und der Peutinger’schen Tafel die Richtung der römischen Strassen mit ziemlicher Sicherheit nach- weisen, wenn auch selbstverständlich die Angaben nach der Peutinger’schen Tafel über die Distanzen und über die Lage der Stationen wohl nicht immer genau mit der heutigen Kartographie übereinstimmen. Die Centren der Verwaltung und Heeresleitung lagen zur Zeit der Römer in den grossen am Meere gelegenen Städten, daher es natürlich ist, dass man nur wenige grössere Orte und Städte im Innern des Landes nachweisen kann. Wohl aber zeigen zahlreiche und übereinstimmende Anzeichen, dass an derselben Stelle, wo sich heute Sarajevo befindet, auch damals eine grössere Stadt gestanden habe. Der directe Weg von Narona nach Sirmium führte über den tiefsten Einschnitt der Wasserscheide zwischen dem Pontus Euxinus und der Adria durch die Ebene von Sarajevo. Der ganzen Länge nach ist diese Strasse durch römische Ueberreste markirt. Uebrigens führen aus der Ebene von Sarajevo, als natürlichem Mittelpuncte, auch ausserdem nach allen Richtungen Strassenzüge. Bei der Bosna- quelle begegnen sich die nach Pannonien und Mösien führenden Strassen und auf dem Wege von Sarajevo über Rogatica und Visegrad bis zu dem an römischen Alterthümern so reichen Plevlje bezeichnen gleichfalls überall römische Ueberreste die alte römische Heerstrasse. 39