Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 4. (Neue Folge, 1889)
Hauptmann Kulnigg: Die Römer im Gebiete der heutigen österreichisch-ungarischen Monarchie. Erläuterungen zu einer Uebersichtskarte
274 K u 1 n i g g. und Aquincum aus bedurfte es in der That nur eines kräftig geführten Feldzuges, um sich auch in den Besitz der Theissebene zu setzen und die Grenzlinien Roms über den Kamm der Karpathen zu führen. Illyricum und Moesia. Die Illyriker be wohnten die Küsten der Adria'vom Ionischen Meere bis zur Mündung des Po. Ihr räuberisches Wesen brachte sie frühzeitig mit den Römern und Griechen in Berührung. Namentlich letztere waren fortgesetzten Angriffen ausgesetzt gewesen. Die ausserordentlich reiche Küstenentwicklung längs dem heutigen Dalmatien und den griechischen Provinzen, dann die damals dicht bewaldeten, hart an das Ufer tretenden Berge boten Versteck und Rückzug. Das oft bewährte Geschick der Römer, sich in die Zwistigkeiten angrenzender Völker einzumischen und abwechselnd dem einen oder anderen Schutz und Hilfe angedeihen zu lassen, brachte schliesslich auch die Illyriker zur Unterwerfung. Die berechtigten Klagen der römischen Kaufleute wegen der räuberischen Ueberfälle der Illyriker zur See und an den Küsten fanden ihre endgiltige Lösung, als im Jahre 229 v. Chr. die beiden Consuln C. Fulvius mit einer Flotte und C. Posthumius mit einem Landheere Illyricum angriffen. Die Illyriker, zur See und zu Land geschlagen, mussten sich Rom unterwerfen. Während nun Fulvius nach Zurücklassung von vierzig Schiffen nach Rom zurückkehrte, blieb Posthumius mit seinem Heere in Illyricum zurück bis zur Consolidirung der neu geschaffenen Verhältnisse. Besatzungen wurden an die wichtigeren Orte gelegt und mit dem Werke der Provincia- lisirung begonnen. Die Illyriker, als eminent kriegerisches Volk, suchten freilich auf jede Weise den Kampf und damit die alten Verhältnisse wieder zu erneuern. Eine Gelegenheit hiezu ergab sich, als Valerius Messalina, Statthalter von Dalmatien und Pannonien, zur Unterstützung des Tiberius gegen die Germanen die meisten Truppen aus dem Lande ziehen musste. Bato, aus dem Stamme der Desidiaten, fiel nun an der Spitze der Empörer über den Rest der zurückgebliebenen Truppen her und wüthete grausam gegen alles Römische. Dessgleichen erhoben sich 34